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GM, Ford und Chrysler : Autobosse im Kreuzverhör

  • -Aktualisiert am

Hoffen auf Milliarden aus dem amerikanischen Finanzpaket: Autobosse im Senat Bild: picture-alliance/ dpa

Die drei großen amerikanischen Fahrzeugbauer versuchten alles, um an die Finanzhilfe des amerikanischen Staates zu kommen. Doch Demokraten wie Republikaner blieben hart zu den Managern. Chrysler-Chef Nardelli kündigte an, fortan für einen Dollar pro Jahr zu arbeiten.

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          Den Bossen der amerikanischen Autokonzerne erging es fast wie Straßenbettlern. Ihr Auftauchen rief heftige Abwehrreaktionen hervor. „Sie verlangen arg viel, und ich befürchte... diese 25 Milliarden Dollar bedeuten noch nicht das Ende“, sagte der demokratische Senator und Vorsitzende des Bankenausschusses Christopher Dodd mit zerfurchter Stirn und gesträubtem Stirnhaar, als am Dienstag die Chefs der drei großen amerikanischen Autobauer, Rick Wagoner von General Motors, Robert Nardelli von Chrysler und Alan Mulally von Ford, dem Ausschuss ihre finanziellen Nöte darlegten.

          Dabei zählt Dodd zu den Befürwortern des Gesetzesvorschlags, aus dem 700-Milliarden-Dollar-Paket zur Bewältigung der Finanzkrise 25 Milliarden Dollar an Überbrückungskrediten für die amerikanische Autoindustrie abzuzweigen. Aber das hinderte den Demokraten nicht daran, den Autobossen kräftig die Leviten zu lesen. „Sie bitten um Hilfe zur Behandlung von Wunden, die Sie... sich vor allem selbst zugefügt haben.“ Den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts seien die Vorstandsvorsitzenden mit „der Denkweise des 20. Jahrhunderts begegnet“, empörte sich der Vorsitzende. „Und nun zahlen wir alle den Preis dafür.“

          Finanzhilfe für Autobauer „nicht der Zweck des Programms“

          Die Chancen, dass die Autobauer tatsächlich die gewünschten 25 Milliarden Dollar bekommen, dürften sich mit ihrem Auftritt in der Anhörung jedoch kaum verbessert haben. Einflussreiche republikanische Senatoren sind sich mit der scheidenden Regierung Bush einig, dass die Autobauer nicht von dem Rettungspaket profitieren sollten, das zur Stabilisierung der Finanzmärkte geschnürt worden war.

          Das sei nicht der Zweck des Programms, bekräftigte Finanzminister Henry Paulson am Dienstag die Haltung des Weißen Hauses bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus. Stattdessen, so Paulson, solle ein bereits gebilligtes Hilfspaket für die Autoindustrie in Höhe von 25 Milliarden Dollar modifiziert werden, das eigentlich den Bau sparsamer Autos vorantreiben sollte. Von diesem Vorschlag wollen aber die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und andere führende Demokraten im Kongress nichts wissen.

          Die Senatoren bleiben hart

          Mit apokalyptischen Warnungen kommen die Autobauer in Washington jedenfalls nicht mehr weiter. Als Ford-Chef Mulally in dramatischen Worten eine weitere Abschwächung der amerikanischen Wirtschaft voraussagte, falls den Autobauern nicht vom Staat geholfen werde, brummelte Dodd nur „hmmm“. Es stünden rund drei Millionen Arbeitsplätze auf dem Spiel, versuchte General Motors-Chef Rick Wagoner die Senatoren zu erweichen. „Wir haben massiv umstrukturiert“, versicherte Chrysler-Chef Nardelli den Senatoren.

          Dass aber die Autoindustrie mit Hilfe der begehrten Finanzspritze wieder auf die Beine kommen werde, bezweifelten vor allem republikanische Senatoren. „Wieso sollen wir Ihnen glauben, dass es Ihnen in der schwierigen Lage gelingt, das Steuer herumzureißen, wenn das in früheren, besseren Zeiten nicht klappte?“, wollte Richard Shelby wissen, der führende Republikaner im Bankenausschuss. Sein sanfter Südstaatentonfall stand in krassem Gegensatz zu den harten Worten, die der Senator aus Alabama für die Autobosse übrig hatte. „Sie haben Milliarden und Milliarden durchgebracht“, beklagte er.

          Chrysler-Chef verzichtet auf Gehalt

          Im Streit über die Hilfe für die Autoindustrie spielt allerdings auch Lokalpolitik eine Rolle. So ist es den Südstaaten gelungen, ausländische Autohersteller anzulocken. In Shelbys Heimatstaat Alabama haben Mercedes Benz, Hyundai und Honda Werke. Shelby und andere Republikaner forderten konkrete Angaben, etwa dazu, wie viel jeder der drei Autobauer vom Staat verlange. „Nennen Sie mir einfach die Zahlen“, forderte Senator Bob Croker aus Tennessee, als die CEOs herumdrucksten. Also kam heraus, dass Chrysler und Ford jeweils auf ungefähr sieben Milliarden Dollar hoffen und General Motors auf zwölf Milliarden.

          Da erinnerte Dodd daran, dass die Bezüge der Autobosse „ziemlich üppig“ seien. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass Steuerzahler die Millionengehälter der Manager subventionierten. Chrysler-Chef Nardelli versprach, er sei als Gegenleistung für die staatliche Rettungsspritze bereit, für einen Dollar im Jahr zu arbeiten.

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