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Globale Impfkampagne : Viel gespendet, wenig ausgeliefert

Auf dem Flughafen von Daressalam werden im November 2021 Covid-19-Impfstoffe aus China entladen. Bild: dpa

Weltweit sind inzwischen 43 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen Covid19 geimpft, in Afrika aber nur 7 Prozent. Nach Angaben der EU liegt es jedoch nicht daran, dass zu wenig Dosen gespendet werden.

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          Afrika fällt beim Impfschutz gegen Covid-19 immer weiter zurück. Während nach Angaben des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) inzwischen rund 43 Prozent der Weltbevölkerung vollständig geimpft worden sind (erste Impfserie), liegt der Anteil in Afrika nur bei 7 Prozent. Um das UN-Ziel zu erreichen, bis September nächsten Jahres 70 Prozent der Weltbevölkerung zu impfen, müsse man dort dringend Fortschritte machen, sagte ein EU-Beamter am Mittwoch. Er verwies zur Begründung auf fehlende Infrastruktur, die schleppende Zulassung von Impfstoffen und eine hohe Impfskepsis in der Bevölkerung.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          An der Zahl der produzierten und gespendeten Impfstoffe liegt es demnach nicht, dass der Kontinent eine so niedrige Impfquote hat. Die Europäische Union hat nach eigenen Angaben im laufenden Jahr 353 Millionen Impfdosen an arme Länder gespendet, die sich den Impfstoff nicht leisten können; die meisten werden über die globale Impfstoff-Initiative Covax verteilt und gehen nach Afrika. Tatsächlich geliefert wurden bislang jedoch nur 118 Millionen Impfdosen, also rund ein Drittel. Die Bilanz anderer Geber fällt gemäß den Zahlen des EAD nicht besser aus. So haben die Vereinigten Staaten zwar 1,1 Milliarden Dosen zugesagt, aber erst ein Viertel davon geliefert. Und von den 600 Millionen Dosen, die China Afrika zugesagt hat, sind erst 80 Millionen dort angekommen.

          Fehlende Infrastruktur und Impfskepsis

          Ein Teil der Verzögerungen hängt mit Vertragsverhandlungen auf Seiten der Spender zusammen. So musste die EU mit jedem Hersteller und mit Covax Verträge über die Lieferung von Impfstoffen an Dritte schließen. Dabei ging es hauptsächlich um Haftungsfragen. Ein EU-Beamter hob am Mittwoch hervor, dass „wir nicht diejenigen waren, die da am schwierigsten waren“. Er verwies stattdessen auf die öffentlich-private Gesellschaft Gavi, den wichtigsten Träger der Covax-Initiative. Inzwischen seien alle Verhandlungen abgeschlossen worden.

          Die Verzögerungen in Afrika haben mehrere Gründe, wobei die Lage in den Staaten stark divergiert. Während in Marokko mehr als sechzig Prozent der Bevölkerung und in Südafrika immerhin 25 Prozent vollständig geimpft sind, bildet Äthiopien mit nur einem Prozent das Schlusslicht – was auch mit dem Bürgerkrieg dort zusammenhängt.

          Zum Teil haben die Staaten die Impfstoffe noch gar nicht zugelassen. Außerdem mangelt es vielerorts an einer grundlegenden Gesundheitsversorgung, um Impfstoffe zu verabreichen. Das betrifft auch die professionelle Lagerung und die Wahrung von Kühlketten für empfindliche Vakzine. „Der schwierigste Punkt ist die Impfskepsis in einigen Ländern“, sagte der EU-Beamte, sie werde durch lokale, aber auch externe Medien befördert.

          Stark aufgeholt beim Impfen haben dagegen andere Teile des globalen Südens, die im Sommer noch zurücklagen. So wurden in Asien mittlerweile 49 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft, in Südamerika sogar 58 Prozent. Die Impfquoten in Nord- und Mittelamerika sowie in Ozeanien liegen bei jeweils 55 Prozent. In Europa insgesamt sind es 58 Prozent, nur in der EU 67 Prozent.

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