https://www.faz.net/-gpf-a6gmi
Bildbeschreibung einblenden

Mordfall Giulio Regeni : Zu Tode gefoltert in Kairo

In Gedenken an Giulio Regeni: Schweigemarsch in Fiumicello in Italien 2019 Bild: EPA

Im Mordfall Giulio Regeni macht Italiens Justiz Ägyptens Geheimdienst verantwortlich. Die Sicherheitsbehörden in Kairo konstruieren hingegen eine angebliche Entführerbande, die den Studenten aus Triest ermordet haben soll.

          4 Min.

          Die beiden Seiten gaben sich kaum Mühe, ihren Dissens zu verbergen. In Wahrheit ist die „gemeinsame Erklärung“ der ägyptischen und der italienischen Strafverfolger vom 30. November im Mordfall Giulio Regeni das Dokument eines vollständigen Bruchs. Die Ermittler aus Rom bekräftigen darin ihre Überzeugung, dass fünf Mitarbeiter der ägyptischen Sicherheitsdienste für den bestialischen Mord an Regeni vor knapp fünf Jahren verantwortlich sind. Ihre Gegenspieler aus Kairo beharren auf der Darstellung, eine Diebesbande habe den italienischen Doktoranden der britischen Universität Cambridge ausgeraubt und umgebracht. Ergebnis: Die Ägypter werden ihre Ermittlungen einstellen, Italien wird das Strafverfahren auf eigene Faust vorantreiben. Die Schlussfloskel des dürren Dokuments, wonach beide Seiten in den vergangenen Jahren „auf höchstem Niveau und auf allen Feldern juristisch kooperiert“ hätten, ist zum Lachen. Oder zum Weinen, zumal für die Angehörigen Regenis.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Am 25. Januar 2016 war Regeni, der eine gute Woche zuvor in Kairo seinen eigenen 28. Geburtstag gefeiert hatte, unterwegs zur Geburtstagsparty eines Freundes. Eine SMS auf dem Weg zur U-Bahn-Station „El Bohoth“, wonach er sich gerade auf den Weg gemacht habe, war seine letzte Nachricht. Regeni kam nie in der Wohnung nahe dem Tahrir-Platz an. Anrufe der besorgten Freunde auf Regenis Mobiltelefon blieben unbeantwortet.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Fahrbericht Toyota Mirai : Der eiserne Gustav

          Während andere das Vorhaben aufgeben, hält Toyota unbeirrt am Wasserstoffauto fest. Der Mirai der zweiten Generation fährt sich so verblüffend normal wie jedes Elektroauto. Nur tankt er schneller.