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Gipfeltreffen auf dem Sinai : Neues, altes Arabien

Das Gipfeltreffen der Arabischen Liga hat eine lange währende Lähmung beendet. Ist es Zufall, dass Saudi-Arabien gerade dann im Jemen eingreift, wenn die Verhandlungen über Irans Atomprogramm in die entscheidende Runde gehen?

          Das Gipfeltreffen der Arabischen Liga hat eine lange währende Lähmung beendet. Was die Ausrufung des „Islamischen Staats“ auf dem Boden Syriens und des Iraks nicht vermocht hat, auch nicht das Abgleiten Libyens ins Chaos, das bewirkte nun der Vormarsch der schiitischen Houthis im Jemen. Erst bildete Saudi-Arabien die größte sunnitische Militärallianz, die je in einen Krieg gezogen ist; dann einigten sich die arabischen Staats- und Regierungschefs auf die Bildung einer gemeinsamen militärischen Eingreiftruppe. Zudem verpflichteten sie sich, im Jemen den Status quo ante wiederherzustellen. So sieht das „neue Arabien“ also aus: Wo die Staaten intakt geblieben sind, haben die Sicherheitsapparate die Zügel wieder straff in der Hand. Weil sie regionale Stabilität versprechen, ist ihnen die Unterstützung des Westens wieder sicher.

          Denn die Aussicht, dass Iran, die Schutzmacht der Houthis, neben der Meerenge von Hormuz auch noch die Meerenge zwischen dem Jemen und Afrika kontrollieren könnte, durch die jeden Tag Millionen Barrel Erdöl transportiert werden, erschreckt viele. Zudem unterstützt Washington die von Riad geführte Militärallianz im Gegenzug dafür, dass sich Saudi-Arabien an der Militärallianz gegen den „Islamischen Staat“ beteiligt, wenn auch nur halbherzig.

          Immerhin kommt von dort eine für die Gegner des Assad-Regimes erfreuliche Nachricht: Die Nusra-Front, die ideologisch Al Qaida nahesteht und von Golf-Arabern unterstützt wird, hat die Stadt Idlib erobert. Damit fordert die Nusra-Front die Vormacht des „Islamischen Staats“ in Nordsyrien heraus. Mit der Intervention im Jemen geht der neue saudische König Salman jedoch ein Risiko ein. Denn sollte es ihm nicht gelingen, den vertriebenen Präsidenten Hadi wiedereinzusetzen und Iran zurückzudrängen, wäre das ein peinlicher Beginn seiner Herrschaft. Ist es Zufall, dass Saudi-Arabien gerade dann im Jemen eingreift, wenn die Verhandlungen über Irans Atomprogramm in die entscheidende Runde gehen? Sollte sich der Konflikt im Jemen noch Monate hinziehen, würde der Bürgerkrieg, wie in Syrien, Millionen zu Flüchtlingen machen, und sie hätten nur ein Ziel: Saudi-Arabien.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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