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Fernost-Expertin Oertel : „Trump übernimmt leichtfertig Nordkoreas Position“

Sie marschieren weiter für ihren Führer: Soldatinnen der nordkoreanischen Armee bei einer Parad auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang Bild: AFP

Frieden für Korea, Stabilität für Fernost? Was Kim und Trump unterzeichnet haben, hat für Janka Oertel noch keine Substanz. Mehr noch: Sicherheitspolitisch könnte am Ende China der große Gewinner sein.

          Frau Oertel, vor einem Jahr noch schienen Amerika und Nordkorea an der Schwelle eines Krieges zu stehen. Nun bekennt sich Kim zur totalen atomaren Abrüstung, und Präsident Trump verspricht ihm Sicherheitsgarantien. Ist das der erste Schritt zu einem Frieden?

          Für die Sicherheitsarchitektur in der Region hat die Erklärung in dieser sehr basalen Form zunächst keine große Bedeutung. Spannender finde ich, worüber jenseits der Abschlusserklärung offenbar gesprochen wurde. Präsident Trump hat auf seiner Pressekonferenz mehrfach auf sein Gespräch mit Kim Bezug genommen. Was wurde dort noch angesprochen? Wie weit sind sie ins Detail gegangen? Und wie weit haben sie sich dabei angenähert? Das, was nicht im Dokument steht, scheint entscheidender.

          Präsident Trump hat auf seiner Pressekonferenz angekündigt, die gemeinsamen Manöver Amerikas mit seinem südkoreanischen Verbündeten auszusetzen. Wie bewerten Sie das?

          Das ist schon sehr ungewöhnlich. Und es scheint auch, als sei die südkoreanische Seite darüber nicht informiert gewesen. Trump hat ja sogar von „Kriegsspielen“ statt von Manövern gesprochen. Damit hat er das militärische Engagement der Vereinigten Staaten mit Südkorea abgewertet. Trump hat Seoul zudem vorgeworfen, dass die Kosten für die Militärübungen zu sehr zu Lasten der Vereinigten Staatem gingen. Das ist etwas, was die amerikanischen Alliierten in der Region in Sorge versetzen dürfte. Amerikas Präsident übernimmt hier letzten Endes leichtfertig – und ohne erkennbare Gegenleistung – die nordkoreanische Position, dass die Manöver eine Provokation seien. Dabei handelt es sich um reguläre Manöver zwischen den Alliierten, in internationalen Gewässern und in internationalem Luftraum.

          Müssen die Südkoreaner nun auch Angst vor einem Abzug der Amerikaner haben?

          Trump hat schon im Wahlkampf gesagt, dass er die amerikanischen Truppen nach Hause bringen will. Aber er hat auch sehr deutlich gemacht, dass er gegenwärtig keine Soldaten aus Südkorea abziehen wird. Wichtiger finde ich, dass Trump die gemeinsamen Manöver mit Südkorea aussetzen will. Jenseits der Signalwirkung, die dies auch für Japan hat: Für den Ernstfall müssen all die Truppenteile der Amerikaner, Japaner und Südkoreaner miteinander interagieren können. Ein langfristiges und vollständiges Aussetzen der gemeinsamen Manöver hat Auswirkungen auf die gemeinsame Reaktionsfähigkeit im Kriegsfall.  

          Bisher gibt es nur Lippenbekenntnisse. Trump hat den Nordkoreanern nichts gegeben. Wie sieht es umgekehrt aus?

          Kim hat vieles in Aussicht gestellt. Aber gegeben hat er noch nichts. Was auf dem Tisch liegt, ist nicht mehr als eine Absichtserklärung. Ich will gar nicht ausschließen, dass das alles langfristig zu einer positiven Entwicklung führen kann. Aber bislang hat das alles noch keine Substanz.

          Trump und Kim sind beide für ihre Kehrtwenden bekannt, die Halbwertszeit ihrer Bekenntnisse und Versicherungen ist schon mal sehr kurz. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass der Stabilisierungsprozess schon bald wieder in sich zusammenfällt?

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