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G 20 in Rom : Draghi will den Geist neu entfachen

Italien als Vorbild für die Welt: Draghi beim G-20-Gipfel in Rom Bild: AFP

Auf dem G-20-Gipfel in Rom beschwört Gastgeber Mario Draghi die Chance eines geeinten Vorgehens der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Doch die Differenzen sind schwer zu überbrücken.

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          Auf den ersten Blick ist es ein Gipfel im Zeichen der Eintracht. Da ist die Ankündigung aus Berlin, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren mutmaßlichen Nachfolger Olaf Scholz, der als Finanzminister ohnehin beim Treffen in Rom dabei ist, auf ihrem letzten Gipfel zu den bilateralen Gesprächen mitnehmen wird. Am Freitag zeigen erst Bilder den amerikanischen Präsidenten Joe Biden mit einem strahlenden Papst Franziskus – ganz im Gegensatz zu dessen Begegnung mit Donald Trump im Jahr 2017. Später folgt die demonstrative Aussöhnung des amerikanischen mit dem französischen Präsidenten im Streit über den gescheiterten U-Boot-Deal. Es sei geklärt, was zu klären war, lässt Emmanuel Macron verlauten. Sie müssten den Blick nun in die Zukunft richten.   

          Sofia Dreisbach
          Redakteurin in der Politik.

          Es geht um maßgebliche Zukunftsthemen beim Treffen der Staats- und Regierungschef der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) an diesem Wochenende in Rom: den Kampf gegen die Corona-Pandemie und den Klimaschutz. „Es ist großartig, Euch alle nach einigen schwierigen Jahren für die Weltgemeinschaft hier wiederzusehen“, eröffnete Italiens Ministerpräsident Mario Draghi am Samstag die erste von drei Arbeitsgruppen. Nicht nur habe die Pandemie einander getrennt, auch zuvor habe man mit Protektionismus, Unilateralismus und Nationalismus zu kämpfen gehabt.

          Italien als Vorbild für die Welt

          Italien, das die G-20-Präsidentschaft innehat, ist neben Amerika ein Grund dafür, warum viele optimistisch auf den Gipfel blicken: Draghi ist es seit Februar gelungen, die Rechtspopulisten zurückzudrängen, Reformen auf den Weg zu bringen, und auch international genießt der frühere Chef der Europäischen Zentralbank großes Ansehen. Immer wieder ist auf dem Gipfel erleichtert zu hören: Die schwierigen Zeiten mit den Herausforderungen des Populismus hätten sich in den Vereinigten Staaten wie der EU entspannt.

          „Multilateralismus ist die beste Antwort auf die Probleme, denen wir heute gegenüberstehen“, sagt auch Draghi, „oft sogar die einzige.“ Ein Alleingang sei in Fragen der Pandemiebekämpfung, des Klimawandels und der gerechten Besteuerung keine Option. „Wir müssen alles tun, um unsere Differenzen beizulegen“, fordert Draghi die Staats- und Regierungschefs auf. Die Staatengemeinschaft müsse den Geist neu entfachen, der zur Gründung der G 20 geführt habe.

          Doch trotz aller beschworenen Einigkeit gibt es bei den Themen, die auf dem Gipfel verhandelt werden, große Differenzen unter den Teilnehmern. Zwei der Länder, mit denen es vor allem in Klimafragen die größten Streitpunkte gibt, werden nicht von ihren Präsidenten vertreten: Xi Jinping aus China und Wladimir Putin aus Russland lassen sich nur per Video zuschalten. Offizielle Begründung ist die Pandemie. Aber Russlands Beziehung zum Westen ist nach der Schließung der russischen Vertretung bei der NATO auf einem neuen Tiefpunkt angelangt.

          Ein erster Entwurf für ein Abschlusskommuniqué der G 20, das schon vor dem Wochenende kursierte, enttäuscht Klimaschützer. So wird zwar zu „sofortigem Handeln“ aufgerufen, um die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Doch konkrete Maßnahmen werden nicht genannt, und die Wirtschaftsmächte, die zusammen für mehr als achtzig Prozent der Treibhausgase verantwortlich sind, können sich nicht auf ein Datum für Klimaneutralität einigen: Indien will gar kein zeitliches Ziel setzen, China erst bis 2060 klimaneutral werden, die EU strebt das Jahr 2050 an. So einigt man sich nur auf die „zentrale Bedeutung“, die Klimaneutralität bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zu erreichen.

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