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Gipfel in Islamabad : Karzai und Ahmadineschad in Pakistan

  • -Aktualisiert am

Unter Freunden: Jusuf Gilani, Hamid Karzai, Mahmud Ahmadineschad und Asif Ali Zardari (von links) Bild: dapd

Die Präsidenten Afghanistans und Irans treffen sich mit dem pakistanischen Staatschef Zardari zu einem Dreier-Gipfel. Zuvor bestätigte Karzai Verhandlungen mit den Taliban.

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          Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat bestätigt, dass sowohl die Regierung in Kabul als auch Washington vertrauliche Verhandlungen mit den Taliban aufgenommen haben. Der Tageszeitung „Wall Street Journal“ sagte Karzai, es habe erste bilaterale Kontakte afghanischer und amerikanischer Vertreter mit den radikalen Islamisten gegeben. Zudem seien die drei Seiten gemeinsam in Kontakt getreten. „Alle Menschen in Afghanistan wollen Frieden, auch die Taliban“, sagte Karzai. Die Aufständischen seien „definitiv“ daran interessiert, nach zehn Jahren Krieg in Afghanistan Frieden zu schließen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Nach Angaben der afghanischen Regierung und amerikanischer Medien kam Washingtons Sonderbotschafter für Afghanistan und Pakistan Marc Grossman Ende Januar im Golfemirat Qatar mit Vertretern der Taliban zusammen. Grossman informierte Karzai bei einer Zusammenkunft in Italien über den Verlauf der Gespräche. Noch ist ungewiss, ob die Taliban ihren Widerstand gegen Verhandlungen mit der Regierung Karzai aufgeben; bisher haben sie Gespräche mit dem afghanischen Präsidenten abgelehnt, den sie als Marionette der Amerikaner bezeichnen.

          Mindestens 13 Tote bei amerikanischen Raketenangriffen

          Unterdessen trafen Karzai und der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad am Donnerstag in Islamabad zu einem Dreier-Gipfel mit dem pakistanischen Staatschef Asif Ali Zardari ein. Wichtigste Themen der Gespräche sind der Aufstand der Taliban und das Verhältnis Pakistans und Irans zu den Extremisten. Auch soll über den Kampf gegen den Rauschgifthandel gesprochen werden. Karzai sagte dem „Wall Street Journal“, Pakistans Kooperation würde Verhandlungen „für uns, für die Taliban und für die Vereinigten Staaten“ erleichtern. Vor allem hoffe er, dass der pakistanische Militärgeheimdienst ISI seine Unterstützung für die Aufständische in Afghanistan einstelle.

          Die Regierung in Washington will möglichst rasch die Verantwortung für die Sicherheit in Afghanistan den afghanischen Streitkräften übergeben, um den Abzug der amerikanischen Truppen zu beschleunigen. Deshalb treibt Washington auch die Friedensverhandlungen mit den Taliban voran. Karzai wird bei seinem Pakistan-Besuch auch mit Maulana Samiul Haq zusammentreffen. Dieser leitet eine Madrassa und ein islamisches Seminar im Nordwesten Pakistans, wo zahlreiche Talibanführer ausgebildet wurden.

          Derweil wurden bei zwei amerikanischen Raketenangriffen im Nordwesten Pakistans nach Geheimdienstangaben am Donnerstag mindestens 13 Personen getötet, unter ihnen acht islamistische Extremisten aus Usbekistan. Die halbautonomen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan sind Rückzugs- und Aufmarschgebiet für Al Qaida und die Taliban. Die amerikanischen Drohnenangriffe sind in Pakistan heftig umstritten, weil bei den Raketenangriffen immer wieder Zivilisten zu Tode kommen. Ende Januar hatte Präsident Obama erstmals öffentlich den Einsatz von Drohnen in Pakistan bestätigt.

          „Opiumhandel bekämpfen“

          (ela., Wien) Die Internationale Gemeinschaft will vor dem Abzug der internationalen Truppen 2014 den Kampf gegen den Opiumanbau in Afghanistan verstärken. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte anlässlich einer internationalen Ministerkonferenz in Wien: „Wir können keine Stabilität erwarten, solange 15 Prozent des afghanischen Bruttonationaleinkommens aus dem Drogenhandel kommen.“ Ban forderte die afghanische Regierung auf, dem Kampf gegen die Drogenproduktion und den Drogenhandel Priorität zu geben. In Wien beriefen sich die Vertreter von 55 Staaten dem sogenannten Pariser Pakt, einer 2003 unter französischer Führung ins Leben gerufenen Initiative zur Bekämpfung des Drogenhandels in Afghanistan. Der afghanische Anti-Drogen-Minister Zarar Ahmad Muqbel Osmani sagte, vor allem Armut sei ein Grund für afghanische Bauern, Schlafmohn anzubauen. In Afghanistan werden 90 Prozent des Opiums auf der Welt hergestellt. Durch den Opiumhandel werden große Teile der Aktivitäten der Taliban finanziert. Die Menge des in Afghanistan produzierten Opiums ist nach einem UN-Bericht 2011 im Vergleich zu 2010 um 61 Prozent auf 5800 Tonnen gestiegen.

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