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Giorgia Meloni im Interview : „Ich bin nicht antideutsch“

Italiens künftige Regierungschefin? Giorgia Meloni Bild: ddp

Im F.A.Z.-Interview versucht die Vorsitzende der Brüder Italiens, Giorgia Meloni, Sorgen vor einer rechtspopulistischen Regierung in Italien zu zerstreuen. Ihre Partei sei weder postfaschistisch noch antideutsch und keine Gefahr für die EU.

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          Frau Abgeordnete Meloni, Ihre Partei „Fratelli d’Italia“ (Brüder Italiens) wird im Ausland oft als „postfaschistisch“ bezeichnet. Mir scheint, Ihnen missfällt das.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Sie haben recht, das missfällt mir. Denn es missachtet die historische Entwicklung der italienischen Rechten, die den Faschismus schon vor Jahrzehnten der Geschichte übergeben und die Abschaffung der Demokratie, die schändlichen antijüdischen Gesetze, die Tragödie des Weltkriegs unmissverständlich verurteilt hat. Die Partei der italienischen Rechten, die damals „Alleanza Nazionale“ (Nationale Allianz) hieß, war (unter Parteichef Gianfranco Fini, Anm. der Redaktion) an mehreren Regierungen beteiligt. Wir haben dann eine geeinte Mitte-rechts-Partei gegründet, „Il Popolo della Libertà“ (Das Volk der Freiheit), die zur christdemokratischen Europäischen Volkspartei (EVP) gehörte. Ich war für diese Partei Ministerin (für Jugend und Sport im vierten Kabinett Silvio Berlusconis von 2008 bis 2011, Anm. der Redaktion), gemeinsam mit anderen wichtigen Mitgliedern meiner heutigen Partei Brüder Italiens, von denen einige nicht aus der Tradition der politischen Rechten stammen. Wir waren nie eine Bedrohung für die Demokratie, und wir werden dazu auch jetzt nicht werden. Wohl aber stellen wir eine Bedrohung dar für das Machtsystem der italienischen Linken, die seit Jahren an der Regierung ist, ohne zuvor die Wahlen gewonnen zu haben. Und übrigens nennt sie niemand jemals „postkommunistisch“, obwohl sie historisch aus der stärksten prosowjetischen Partei im Westen hervorgegangen sind (der Kommunistischen Partei Italiens, Anm. der Redaktion).

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