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Gibraltars Chief Minister Picardo im Gespräch : „Britisch auch noch in dreitausend Jahren“

  • Aktualisiert am

Gibraltars Chief Minister Fabian Picardo Bild: REUTERS

Im Streit um die britische Halbinsel nähern sich Spanien und Gibraltar an. Auch Chief Minister Fabian Picardo spricht im F.A.Z.-Interview von Kooperation. An der Unterstützung durch London hat er keine Zweifel.

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          Gibraltar bietet Spanien umfassende Verhandlungen an; Chief Minister, ist das Schlimmste dieser Sommerkrise um Gibraltar vorbei, und wird es bald Gespräche mit Spanien geben?
          Die Sommerkrise ist sicherlich vorbei und ich hoffe, dass wir uns nicht in eine Herbstkrise hineinbewegen. Die Regierung von Gibraltar ist absolut bereit, mit Spanien so rasch wie möglich auf der Grundlage des trilateralen Forums zu sprechen. Weil Spanien aber offenbar in diesem sehr nützlichen Forum (unter Einschluss Großbritanniens) nicht weitermachen will, können wir uns auch ad hoc verabreden.

          Über welche Themen sollten Spanien, Gibraltar und Großbritannien am dringendsten verhandeln?
          Es geht um Dinge, die das tägliche Leben der Menschen angehen. So gibt es Spanier, die in Gibraltar arbeiten. Lasst uns also ein Doppelbesteuerungsabkommen schließen. Das würde auch für Gibraltarer gelten, die in Spanien wohnen. Das könnten wir mit gutem Willen sehr schnell lösen. Wir haben Spanien seit langem auch Informationsaustausch in Steuersachen angeboten. Jetzt hat es erste Anfragen gegeben, und wir haben einige schon beantwortet. Steuern sind kein politisches, sondern ein technisches Thema. Wir könnten es sofort anpacken.

          Haben Sie diese Krise provoziert, indem Sie Ende Juli siebzig Zementblöcke vor der Küste versenken ließen, um spanische Fischer bei der Arbeit zu behindern?
          Nein, und sie wurde auch nicht zwei Wochen davor durch Schüsse der Guardia Civil auf einen unschuldigen britischen Jetskifahrer provoziert.

          Wurde er verletzt?
          Gott sei Dank nicht. Die Spanier behaupten im Übrigen, dass das gar nicht stattgefunden habe. Aber wir haben das Video. Die Krise wurde auch nicht provoziert durch aggressive Äußerungen des spanischen Außenministers José Manuel García-Margallo. Wir blicken hier nicht auf fünf Wochen Schlangen an der Grenze zurück, sondern auf dreißig Jahre. Und wir haben genug davon, dass Spanien glaubt, einfach den Hahn auf- und zudrehen zu können, wann immer dort nationalistische Stimmung aufwallt. In diesem besonderen Fall, so glaube ich, haben spanische Politiker das Thema benutzt, um von den Korruptionsaffären der regierenden Volkspartei abzulenken.

          Picardo: „Weder die Gewässer noch der Luftraum, noch das Territorium sind strittig.“
          Picardo: „Weder die Gewässer noch der Luftraum, noch das Territorium sind strittig.“ : Bild: AFP

          Wem haben die fünfwöchigen Animositäten bislang am meisten geschadet?
          Wie immer den einfachen Leuten, die die Grenze täglich überqueren müssen. Deshalb schlage ich vor, solche Angelegenheiten, die mit der Fischerei gar nichts, mit Souveränität aber sehr viel zu tun haben, in den entsprechenden internationalen Gremien, wie europäischen oder internationalen Gerichten, zu behandeln. Wir können uns dazu auch so lange in ein Zimmer einschließen lassen, bis wir fertig werden. Aber wir sollten nicht unschuldige Leute, schwangere Frauen und kleine Kinder stundenlang in der Hitze in ihren Autos sitzen lassen.

          Welche wirtschaftliche Bedeutung hat Gibraltar für das spanische Umland?
          Unsere Handelskammer hat das zuletzt im Jahr 2007, also noch vor der Finanz- und Wirtschaftskrise drüben, gemessen. Schon damals war es unglaublich: Gibraltar trägt fast 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Nachbarschaft bei. Einer von sechs Spaniern arbeitete schon damals in Gibraltar. Wir machen gerade eine neue Studie, und eines scheint sicher: dass durch den Rückgang der Wirtschaft drüben Gibraltar in den vergangenen Jahren noch wichtiger geworden ist.

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