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Gibraltars Chief Minister Picardo im Gespräch : „Britisch auch noch in dreitausend Jahren“

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Welche umgekehrten Effekte gibt es für Gibraltars Wirtschaft?
Hier sind rund zehntausend spanische Arbeiter tätig. Die meisten unserer Lebensmittel und anderer Importe kommen aus Spanien. Wenn wir nun aber belagert werden sollten, können wir Arbeiter und Blumenkohl auch anderswo bekommen, zum Beispiel aus Portugal oder Marokko. Das würde weniger die Verbraucher in Gibraltar, sondern vor allem die spanischen Lieferanten treffen. Jetzt wollen die Spanier uns für Bauarbeiten keinen Sand und keine Steine mehr verkaufen. Es wäre schade, wenn zwei moderne europäische Nationen nicht mehr imstande wären, die Grundlage des europäischen Traums, nämlich den gemeinsamen Markt, zu respektieren.

Wenn die EU im September oder Oktober tatsächlich Inspekteure ausschickt, um nicht nur die Grenzkontrollen, sondern auch Themen wie Geldwäsche, Schmuggel und Steuern zu überprüfen, was werden sie dann vorfinden?
Sie werden ein Gibraltar vorfinden, das sich an alle europäischen und internationalen Regeln hält. Die EU beobachtet ohnehin schon ständig unser Fiskalsystem. Sie tut das täglich und braucht dafür jetzt niemanden extra zu schicken. Ihre Inspekteure sollen sich nun auch das künstliche Riff anschauen. Wir fürchten uns davor überhaupt nicht. Wir sagen im Gegenteil: Endlich kommen sie.

Gibraltars Hoheitsgewässer und sein Luftraum sind umstritten, weil sie im Vertrag von Utrecht aus dem Jahre 1713 gar nicht vorkommen. Welches internationale Gericht wäre am besten geeignet zu entscheiden, wer recht hat: Spanien oder Sie?
Weder die Gewässer noch der Luftraum, noch das Territorium sind strittig. Es ist absolut klar, dass alle zu Gibraltar gehören. Die Seerechtskonvention der Vereinten Nationen bestimmt, welches unsere Hoheitsgewässer sind und welche Erweiterungsrechte das Vereinigte Königreich hat. Beim Luftraum und dem Land ist es ähnlich. Deutschland, die Vereinigten Staaten, Japan, Marokko und sogar Argentinien erkennen Gibraltars Hoheitsgewässer an. Also praktisch die ganze Welt. Nur Spanien erhebt Einwände. Was ist also der richtige Platz, darüber zu entscheiden? Es sind dies der Internationale Seegerichtshof in Hamburg, der Internationale Gerichtshof in Den Haag und der Europäische Gerichtshof in Luxemburg.

Ist die letzte europäische Kolonie in Europa für Großbritannien ein Gewinn oder nicht auch gelegentlich eine Last?
Nichts von alledem, was ich aus London höre, deutet auf etwas anderes, als dass wir ein hochgeschätzter Teil der großen britischen Familie sind und von zunehmend militärischer Bedeutung zu einer Zeit, da die internationalen Geheimdienste mit verstärktem Interesse auf Nordafrika schauen.

Das heißt, dass sich in London bislang niemand über Sie und Ihre Politik beschwert hat?
Überhaupt nicht. Und ich würde erwarten, dass das Vereinigte Königreich in heiklen Zeiten genauso für uns da ist und bleibt wie wir für es.

Wird Gibraltar in dreihundert Jahren noch immer britisch sein?
Ich mache nur ungern so kurzfristige Voraussagen. Ich sage lieber: auch noch in dreitausend Jahren.

Die Fragen stellte Leo Wieland.

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