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Gewalteskalation in Kolumbien : Die Schlacht von Bogotá

In der Stadt Medellín protestieren Kolumbianer am 14. September gegen Polizeigewalt in Bogotá. Bild: AFP

Die Gewalteskalation in Bogotá hat Kolumbien entsetzt – und zu einem offenen Bruch zwischen Präsident Iván Duque und der Bürgermeisterin der Hauptstadt geführt. Instrumentalisiert Claudia López die Opfer zu politischen Zwecken?

          4 Min.

          An einigen Ecken von Bogotá hängen die Bilder der Toten. Davor stehen Blumen, im Gedenken an die jungen Kolumbianer, die hier vor wenigen Tagen getötet wurden. Was sich vergangene Woche in den Straßen von Bogotá abspielte, kann nur als Schlacht bezeichnet werden: Ein aufgebrachter Mob ließ seiner Zerstörungswut freien Lauf, steckte zweihundert Busse und fünfzig Polizeireviere in Brand. Die Polizei wiederum vergaß alle Regeln und Rechte. Nicht identifizierbare Polizisten schlugen mit Knüppeln auf Demonstranten ein, zertrümmerten Fenster und machten von ihren Schusswaffen Gebrauch. Vierzehn Personen wurden getötet, Hunderte verletzt, davon mehr als siebzig durch Schüsse. Das Land ist entsetzt über das Ausmaß der Gewalt – an einem Ort, wo man sie in dieser brachialen Form schon fast vergessen hatte.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Die Wut der jungen Kolumbianer richtete sich gezielt gegen die Polizei, genauer gesagt gegen die „Sofort-Einsatzkommandos“ (CAI). Es handelt sich um kleine Polizeireviere in den Quartieren der Hauptstadt. Sie wurden 1987 eingeführt, als Bogotá zu den gefährlichsten Städten der Welt zählte. Ihr Zweck war es, rasch auf gewisse Ereignisse reagieren zu können und die Überwachung in einigen Gegenden der Stadt sowie – laut den lokalen Behörden – den Kontakt zur Bevölkerung zu stärken. Doch in der Wahrnehmung der Bevölkerung haben sich die CAI seither zu Orten des Missbrauchs, der Korruption und des Drogenhandels entwickelt.

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