https://www.faz.net/-gpf-9a9l7

Gewalt in Tijuana : Geschossen wird am Stadtrand

  • -Aktualisiert am

Trauriger Alltag: Ermittler untersuchen einen Tatort in Tijuana, an dem ein Polizist erschossen wurde. Bild: Picture-Alliance

Wie ganz Mexiko verzeichnet Tijuana mehr Morde denn je. Doch diesmal tobt kein Krieg der Kartelle im Zentrum. Die Gewalt entfesselter Banditen trifft vor allem die Armen.

          7 Min.

          Seinen Reichtum lässt Genaro de la Torre Quintana nicht heraushängen. Beim Fleischgroßhändler Canasta sitzt er hinter einer großen Rechenmaschine in einer kleinen Kammer, an der Wand sein Diplom und das Muttergottesbild, das in Mexiko nicht fehlen darf. Mit seiner Steppweste ginge der Unternehmer auch als einfacher Buchhalter durch. Doch die Polizisten, die ihn an einem Nachmittag im Jahr 2004 auf dem Heimweg anhielten, wussten genau, wen sie vor sich hatten: das Mitglied einer jener eingesessenen Unternehmerfamilien, die in Tijuana schon den Ton angaben, bevor sich die Stadt an der Grenze zu Kalifornien in ein Industriezentrum mit fast zwei Millionen Einwohnern verwandelte. Die Uniformierten erklärten Genaro de la Torre, sein Auto sei als gestohlen gemeldet. Sie legten ihm Handschellen an und führten ihn ab. Erst als sie ihn in ein abgelegenes Haus führten, begriff der Unternehmer, dass er entführt worden war.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          „Die erste Woche war die schlimmste“, berichtet er, „da haben sie mich ständig mit einem Rohr geschlagen.“ De la Torre erlitt mehrere Rippenbrüche und bekam keine Medizin. Sechzig Tage lang lag er gefesselt auf einem Bett. Dann schien den Tätern das Haus nicht mehr sicher, „sie hörten ja Polizeifunk“. Also wurde der Entführte an einen anderen Ort gebracht. Noch einmal verging fast ein Monat, bis sein Vater schließlich das Lösegeld zahlte. „Wir haben nie darüber gesprochen“, erklärt de la Torre hastig, „deshalb weiß ich nicht, wie viel es war.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Präsident Erdogan erklärt sich gegenüber Journalisten.

          Nahe Izmir : Krieg in Syrien gefährdet VW-Werk in der Türkei

          Eigentlich war die Sache in trockenen Tüchern, nahe Izmir wollte VW sein erstes türkisches Pkw-Werk errichten. Doch weil Erdogans Truppen in Nordsyrien einmarschiert sind und dort die Kurden bekämpfen, wachsen die Zweifel an der Standortentscheidung.

          Besuch in Malvern Link : Morgandämmerung

          Er sieht aus wie vor mehr als 80 Jahren, doch steht der jüngst vorgestellte Morgan Plus Six für den Beginn einer neuen Zeit. Aber keine Sorge: Moderne Autos werden die Kerle in Malvern Link auch künftig nicht bauen.

          Ausstellung zur Armbrust : Die Hightech-Waffe des Mittelalters

          Mit der Ausstellung „Die Armbrust – Schrecken und Schönheit“ rückt das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin eine Waffe ins Rampenlicht, die seit fast 500 Jahren mehr Kunstobjekt denn Seelenräuber ist.