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Gewalt in Haiti : Wo die Banden regieren

Polizeipatrouillen in Port-au-Prince Bild: AP

In Haiti ist niemand mehr sicher. Kriminelle entführen Menschen und stecken manch einen bei lebendigem Leib in Brand. Der Staat versagt.

          4 Min.

          Sie morden, entführen, erpressen. Seit Monaten halten brutale Gangs Haiti in ihrem Würgegriff. In den vergangenen Wochen hat sich die Situation im Karibikstaat zugespitzt. Bei Bandenkriegen in Vororten der Hauptstadt Port-au-Prince wurden in diesem Jahr bereits Hunderte Menschen getötet und verletzt. Hatten sich die blu­tigen Kämpfe bisher vorwiegend auf die Außenbezirke beschränkt, so wurden in den vergangenen Tagen auch vermehrt Schüsse in der Innenstadt der Hauptstadt gemeldet, wo Banden offenbar auch um die Vorherrschaft kämpfen. Die Kriminellen steckten eine Kirche in Brand. Kämpfe brachen auch um eine Haftanstalt aus, die nur wenige Blocks vom Re­gierungspalast entfernt liegt. Wohnhäuser und Geschäfte wurden von Kugeln getroffen. Die staatliche Universität gab bekannt, dass sie den Unterricht aus­setzen muss, da ihre Einrichtungen ebenfalls von Kugeln getroffen wurden.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Wie ein Regierungsbeamter mitteilte, versucht die Polizei, das Gebiet unter Kontrolle zu bringen, doch das könne wegen der schlechten Ausrüstung und der mangelnden Mittel Tage dauern. Und selbst das ist ungewiss. Etwa 12.800 Po­lizeibeamte zählt das Land mit seinen elf  Millionen Einwohnern. Ihnen fehlt es an Ausrüstung und Ausbildung. Verschiedene Regionen des Landes und mehrere Vororte der Hauptstadt werden schon seit Längerem von den Banden kontrolliert, die sich mit Erpressung und Entfüh­rungen sowie anderen illegalen Aktivitäten finanzieren und sich gegenseitig be­kriegen.

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