https://www.faz.net/-gpf-abplm

Konflikt mit Palästinensern : Gewalt eskaliert auch im Westjordanland

  • Aktualisiert am

Protestierende Palästinenser im Westjordanland laden Reifen ab, um sie anzuzünden und eine Straße zu blockieren. Bild: Nasser Nasser/AP

Israelische Truppen töten bei Konfrontationen mindestens elf Menschen im Westjordanland. Aus dem Gazastreifen, aber auch aus Syrien und dem Libanon werden Raketen abgefeuert – insgesamt schon mehr als 2000.

          2 Min.

          Der seit Tagen eskalierende Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern hat sich territorial ausgeweitet. Neben dem Gazastreifen und Israel selbst ist seit Freitag auch das Westjordanland betroffen. Dort wurden bei schweren Zusammenstößen nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mindestens elf Palästinenser getötet und rund 150 weitere Menschen verletzt. Es waren die heftigsten gewaltsamen Zusammenstöße in dem von Israel besetzten Palästinensergebiet seit 20 Jahren.

          Die traditionellen Freitagsproteste gegen die israelische Siedlungspolitik hatten sich nach Angaben eines palästinensischen Sicherheitsvertreters zu den heftigsten Konfrontationen „seit der zweiten Intifada“ entwickelt, die im Jahr 2000 begonnen hatte. Palästinensische Demonstranten schleuderten in Ramallah Steine, Molotow-Cocktails und andere Geschosse auf die Sicherheitskräfte. Diese setzten Wasserwerfer, Tränengas, Gummigeschosse sowie scharfe Munition ein. Das Westjordanland wird im Gegensatz zum Gazastreifen nicht von der islamistischen Hamas kontrolliert.

          Raketen auch aus dem Libanon und Syrien

          Nach Angaben der israelischen Armee wurden zudem aus dem Libanon drei Raketen in Richtung Israel abgefeuert, die jedoch ins Mittelmeer stürzten. Erstmals seit der jüngsten Eskalation des Konflikts wurden zudem aus Syrien Raketen auf Israel abgefeuert. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte schlugen zwei dieser Raketen in unbewohnten Gebieten in Nordisrael ein. Eine dritte Rakete aus Syrien habe Israel gar nicht erreicht.

          Bild: F.A.Z.

          Ob ein Zusammenhang zwischen den Raketenangriffen aus Syrien und der Zuspitzung des israelisch-palästinensischen Konflikts bestand, war zunächst unklar. Am Freitag war im Libanon ein Mitglied der Hisbollah-Miliz gestorben, nachdem der Mann von der israelischen Armee während einer Demonstration an der Grenze verletzt worden war, wie die Nachrichtenagentur ANI meldete. Die mit Israel verfeindete Hisbollah hat Stellungen im Süden Syriens.

          Weiterer Beschuss auf Israel

          Im Gazastreifen haben militante Palästinenser auch am Samstag ihre Raketenangriffe fortgesetzt. In der Stadt Beerscheva im Süden Israels sowie in Grenzorten zum Gazastreifen heulten am Morgen die Warnsirenen. Die israelische Armee nach eigenen Angaben weitere Ziele an. Die Luftwaffe habe mehrere Raketenabschussrampen und zwei Kampfeinheiten der im Gazastreifen herrschenden Hamas beschossen, hieß es in der Mitteilung.

          Die amtliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa teilte am Samstag mit, in dem Flüchtlingslager Schati im Westen von Gaza sei ein Haus getroffen worden. Es seien dabei mindestens sieben Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet worden, darunter auch Kinder. Auch in Beit Lahia im Norden des Küstenstreifens sowie an anderen Orten seien Zivilisten getötet worden. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe die Berichte. Nach Angaben von Wafa wurden seit der Eskalation der Gewalt am Montag 136 Palästinenser im Gazastreifen getötet. Wie Israels Armee mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage acht Menschen ums Leben.

          Mehr als 2000 Raketen aus Gazastreifen

          Insgesamt feuerten Militante im Gazastreifen nach Angaben des israelischen Militärs seit Montagabend mehr als 2000 Raketen ab. Das Abfangsystem Eisenkuppel („Iron Dome“) fing davon nahezu 1000 ab, teilte die Armee am Freitagabend mit.

          Das System erkennt mittels eines Radargeräts anfliegende Geschosse und startet eine Abfangrakete, um das feindliche Geschoss möglichst vor dem Einschlag noch in der Luft zu zerstören. Nach Medienberichten hat das israelische Militär strikte Order, Abfangraketen nur zu starten, wenn bei einem Angriff bewohnte Gebiete bedroht sind. Der Einsatz einer Abfangrakete kostet nach Medienberichten umgerechnet rund 66.000 Euro.

          Die Bundesregierung prangerte die Attacken aus dem Gazastreifen als „Terrorangriffe“ an und unterstrich das Recht Israels auf Selbstverteidigung. „Nichts rechtfertigt solchen Terror“, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert.

          Die Eskalation hat international Furcht vor einem erneuten Krieg im Nahen Osten ausgelöst. Die US-Regierung schickte ihren Nahost-Gesandten in die Region. Amr sei am Freitag in Israel eingetroffen, teilte die dortige US-Botschaft mit. Am Sonntag soll der UN-Sicherheitsrat erneut über den Konflikt beraten.

          Weitere Themen

          Die Bilanz des G7-Gipfels in Cornwall Video-Seite öffnen

          Klimawandel und Pandemie : Die Bilanz des G7-Gipfels in Cornwall

          Das Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen in Carbis Bay wurde von friedlichen Protesten für eine gerechtere Welt begleitet. Indes zeigten sich die Beteiligten optimistisch, gemeinsam die Pandemie und den Klimawandel zu bewältigen.

          Der Mann mit dem richtigen Timing

          Naftali Bennett : Der Mann mit dem richtigen Timing

          Naftali Bennett führt eine Splitterpartei und wird neuer Ministerpräsident von Israel. Sein Lebensweg deutete darauf nicht zwangsläufig hin.

          Topmeldungen

          Benjamin Netanjahu hält am Sonntag, 13. Juni, eine Rede im israelischen Parlament.

          Bennett neuer Regierungschef : Netanjahus Abgang und eine Drohung

          Würdevoll verläuft die Amtsübergabe an die neue Regierung Israels nicht. Der frühere Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geht auf Konfrontation und kündigt seine Rückkehr an.
          Nach langer Verhandlung: Die Frankfurter FDP stimmt dem Koalitionsvertrag zu.

          Frankfurter Koalition : Weiter wach auf die FDP schauen

          Am Sonntag hat die Frankfurter FDP für eine Vier-Parteien-Koalition mit Grünen, SPD und Volt gestimmt. Doch trotz des Ergebnisses bedarf es kritischer und wachsamer Bürger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.