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Getreide-Weltmarkt : Putin setzt Hunger als Waffe ein

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Werden die Lebensmittel auch für sie reichen? Hilfsbedürftige in Äthiopien Bild: obs

Die Häfen der Ukraine sind blockiert. Das Land kann so kein Getreide exportieren. Dem globalen Süden droht Hunger. Das ist Teil der Kriegsstrategie Wladimir Putins.

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          Auf die Unterstützung Chinas für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine kann sich Russland vermutlich weiter verlassen. Aber mittel- und langfristig könnte das Wohlwollen gegenüber Moskau im sogenannten „globalen Süden“ noch weiter schrumpfen als ohnehin schon.

          Das ist in dem Moment wahrscheinlich, da sich auf den Getreidemärkten der Welt ernsthafte Verknappungen einstellen, da noch mehr Menschen hungern als schon in „normalen“ Zeiten. Hinzu kommen die schon jetzt spürbaren heftigen Preissteigerungen für Getreide.

          Das müsste einem russischen Präsidenten eigentlich zu denken geben. Aber Wladimir Putin erweckt – spätestens seit dem Tag des Überfalls auf die Ukraine – den Eindruck eines Menschen, der alle Brücken hinter sich abgebrochen hat und überall nur noch Feinde sieht.

          Es gibt eine Chance

          Dass sich ein Mann, der Truppen auszeichnet, denen Kriegsverbrechen vorgeworfen werden, um das Leid von Millionen Menschen in Entwicklungsländern nicht schert, wird mit jedem Tag, den der Krieg dauert, mehr zur traurigen Gewissheit. Vielmehr sieht es so aus, dass Putin den Hunger als Waffe einsetzt, um den Druck vor allem auf den Westen zu erhöhen. Die Blockade der ukrainischen Seehäfen ist aus seiner Sicht das beste Mittel dafür. Diese Blockade ist vermutlich in absehbarer Zeit militärisch nicht zu beenden.

          Der Westen verurteilt und beklagt die menschenverachtende Politik Putins, was angesichts der brutalen Machtpolitik erst einmal schwächlich wirkt. Da sich aber der größere Teil der ukrainischen Getreidevorräte im nicht besetzten Teil des Landes befindet, liegt hier eine Chance.

          Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um möglichst viel von dem ursprünglich für den Export über das Meer vorgesehenen Getreide vor dem Zugriff der Besatzer zu retten und auf den Weltmarkt zu bringen. Das wäre nicht nur ein Akt des Widerstandes gegen den Aggressor, es wäre auch praktizierte Humanität im Angesicht des Verbrechens.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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