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Gesichtserkennung mit Software : Wie China ausländische Journalisten überwachen will

Ein Techniker arbeitet an einer Überwachungskamera in Schanghai im November 2021. Bild: Reuters

In der chinesischen Provinz Henan soll ein maßgeschneidertes System aus Gesichtserkennung und Datenbanken „verdächtige“ Ausländer beobachten. Es zielt vor allem auf Journalisten. Aber auch Studenten sind betroffen.

          3 Min.

          Wer verstehen will, wie der chinesische Überwachungsapparat funktioniert, für den lohnt ein Blick in die Ausschreibungen lokaler Behörden. Dort steht oft in bemerkenswerter Offenheit, welche Zielpersonen die lokalen Parteiführer besonders im Auge haben. Die Provinz Henan hat gerade ein Überwachungssystem in Auftrag gegeben, das in der Lage sein soll, mithilfe von Gesichtserkennungssoftware und Datenbanken ausländische Journalisten in der gesamten Provinz aufzuspüren, nachzuverfolgen und zu beobachten. Die Ausschreibung dazu hat der auf Videoüberwachungssoftware spezialisierte amerikanische Informationsdienst IPVM auf einer Website der Lokalregierung von Henan entdeckt und gemeinsam mit der Nachrichtenagentur Reuters ausgewertet.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Demnach enthält das bestellte System eine Datenbank, in der für ausländische Journalistinnen und Journalisten jeweils eine eigene Datei hinterlegt ist. Die Journalisten sollen je nach Art der Recherche, Reiseziel und anderen Merkmalen einer von drei Überwachungsstufen zugeordnet werden: besonders bedenklich (rot), bedenklich (gelb) und weniger bedenklich (grün). Als gelb werden auch Journalisten eingestuft, die gegen Gesetze verstoßen haben sollen.

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