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Übergriffe von Wildhütern : Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert WWF

Den Wildhütern im Kongo werden unter anderem Vergewaltigungen vorgeworfen. Bild: AFP

Menschenrechtler sagen, dass die Umweltstiftung WWF bei ihrem Engagement für Wildhüter in Nationalparks „in einem Graubereich“ agiere. Der WWF sammelte trotzdem weiter Spenden.

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          Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zweifelt am Ansatz vieler Naturschutzprojekte des World Wide Fund for Nature (WWF). „Es gibt eine immer stärkere Tendenz unter Tierschutzorganisationen, für Projekte zu sammeln, die auf bewaffneten Schutz setzen“, sagte GfbV-Direktor Ulrich Delius der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). „Da kommt man in einen Graubereich: Wie viel darf man für Naturschutz an Sicherheit ausgeben? Wird das von der Bevölkerung noch angenommen?“

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          In der vergangenen Woche waren massive Vorwürfe gegen vom WWF unterstützte Wildhüter in Nepal, Indien, Kongo und Kamerun erhoben worden. Laut einem Bericht der amerikanischen Website „Buzzfeed“ kam es sogar zu Folter, Gruppenvergewaltigungen und Tötungen. Vor allem der kongolesische Nationalpark Salonga ist betroffen. Dort fanden Mitarbeiter der britischen Rainforest Foundation nach eigenen Angaben „Belege für weit verbreiteten körperlichen und sexuellen Missbrauch durch Wildhüter“. Im August 2015 sollen Ranger einen Mann, der gefischt hat, auf einem Dorfplatz gefoltert und umgebracht haben – um vor aller Augen ein Exempel zu statuieren.

          Der WWF fordert regelmäßig, immer mehr Wildhüter einzustellen und diese immer besser auszustatten. In Salonga sind nach Angaben der Organisation etwa 300 Ranger im Einsatz. Der WWF leitet den Nationalpark dort gemeinsam mit der kongolesischen Naturschutzbehörde. Von den mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen im Salonga-Park hat die Öffentlichkeit hierzulande bisher jedoch nichts erfahren. Laut „Buzzfeed“ weiß der WWF seit langem von den ernsten Verdachtsfällen und hat sogar schon Mitarbeiter suspendiert oder entlassen. Trotzdem sammelte der WWF Deutschland immer weiter Spenden, um die Wildhüter im Salonga-Nationalpark noch besser auszurüsten. So sollen die nur noch dort heimischen Bonobos gegen Wilderer geschützt werden.

          Mit Spenden auch aus Deutschland sollen die Wildhüter im Kongo besser ausgestattet werden, um Bonobos zu schützen.
          Mit Spenden auch aus Deutschland sollen die Wildhüter im Kongo besser ausgestattet werden, um Bonobos zu schützen. : Bild: Screenshot F.A.Z.

          Der WWF weiß auch seit vielen Jahren von mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen der Wildhüter in Kamerun. Immer wieder soll es zu brutalen nächtlichen Razzien in Dörfern gekommen sein. Die kamerunischen Wildhüter unterstehen dem Staat, der WWF ist ihnen gegenüber nicht weisungsbefugt. Der WWF sagt, er habe Verdachtsfälle immer an die Regierung weitergeleitet und Druck ausgeübt, damit diese geahndet würden. Trotzdem agieren die Wildhüter nach Ansicht von Beobachtern weitgehend in Straffreiheit. Und der WWF bildet die Wildhüter aus, hat bis 2009 ihre Gehälter gezahlt, stellt Ausrüstung, Gebäude und Fahrzeuge zur Verfügung – auch mit Spendengeld aus Deutschland. In den Augen der Einheimischen verschwimmen die Grenzen zwischen Staat und WWF in Kamerun seit langem, wie die F.A.S. nachzeichnet.

          Menschenrechtsorganisationen kritisieren den Ansatz des WWF, Tierschutz in Entwicklungsländern trotz der vielen Vorwürfe durch bewaffnete Wächter durchsetzen zu lassen. „Es gibt grundsätzliche Probleme in der Konzeption“, sagte Delius der F.A.S. „Tierschutz muss einen Blick fürs Ganze entwickeln und verantwortungsvoller agieren.“ Auch erwarte der Spender, „dass es eine Stimmigkeit gibt zwischen Botschaften und Umsetzung vor Ort. Sonst gibt es ein Glaubwürdigkeitsproblem. Dem muss sich der WWF stellen.“

          Delius vermutet, dass die Menschenrechtsprobleme auch innerhalb des WWF unterschiedlich wahrgenommen würden. „Der WWF Deutschland hat ein gewisses Bewusstsein, aber das kommt in Kamerun womöglich nicht an.“

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