https://www.faz.net/-gpf-14ltg

Gescheiterter Anschlag : Ein beherzter Holländer und eine Fehlzündung

  • -Aktualisiert am

Jasper Schuringa in einem CNN-Studio Bild: dpa

Das jüngste Kapitel der Zeitgeschichte des globalen Terrorismus wartet nicht nur mit einem „üblichen Verdächtigen“, sondern auch mit einem klassischen Helden auf: Jasper Schuringa, der den Attentäter zu überwältigen half, wird in Amerika und in seiner niederländischen Heimat gefeiert.

          Immerhin wartet das jüngste Kapitel der Zeitgeschichte des globalen Terrorismus nicht nur mit einem „üblichen Verdächtigen“, sondern auch mit einem klassischen Helden auf. Jasper Schuringa, der auf dem Flug „Delta/Northwest 253“ von Amsterdam nach Detroit offenbar half, etwa 300 Passagieren und Besatzungsmitgliedern das Leben zu retten, wird in Amerika und in seiner niederländischen Heimat seit dem Weihnachtstag als Held gefeiert. Er ist 32 Jahre alt und verdient seinen Lebensunterhalt als Filmemacher. Nach Augenzeugenberichten war es Schuringa, der sofort seinen Sicherheitsgurt löste, als er einen dumpfen Knall gehört und das Feuer und den Rauch gesehen hatte. Über mehrere Sitzreihen hinweg stürzte er sich auf den in Flammen stehenden Mann in Reihe 19, riss ihm etwas aus den Händen und rang ihn nieder. Kurz darauf eilten Flugbegleiter herbei, warfen Decken über die ineinander verkeilten Männer sowie den brennenden Sitz und löschten die Flammen mit dem Bordfeuerlöscher.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Viele andere Passagiere waren angesichts von Flammen und Rauch in der Kabine des Airbus 330 in Panik geraten. Einige schrien, andere verharrten wie gelähmt auf ihren Sitzen. Aber Schuringas Entschlossenheit erinnert viele Amerikaner an jene Passagiere des Fluges „United Airlines 93“ vom 11. September 2001, die die im Cockpit des entführten Flugzeuges verschanzten Luftpiraten angriffen. Dadurch war das vierte der gekaperten Flugzeuge nicht wie von Al Qaida geplant in Washingtons Kapitol gestürzt, sondern auf einen Acker in Pennsylvania.

          Offenbar halten die amerikanischen Behörden den Vorfall beim Flug „Delta/Northwest 253“ beim Landeanflug auf Detroit am ersten Weihnachtsfeiertag nicht für harmloser als jene früheren Anschläge. Noch am Tag des fehlgeschlagenen oder verhinderten Terroranschlages erhoben sie Anklage gegen den 23 Jahre alten Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab, der mit schweren Verbrennungen an den Beinen in einem Krankenhaus im Bundesstaat Michigan behandelt wurde. Aug dem gesamten Flug habe Abdulmutallab sich freundlich und ruhig gezeigt, sagten Passagiere des Fluges. Niemand habe vermuten können, dass der junge Mann einen Massenmord habe verüben wollen.

          Sicherheitsbeamte nehmen Abdulmutallab fest

          Übliche Detektoren konnten den Sprengstoff nicht erkennen

          Als der Flugkapitän das Fahrwerk ausfuhr, hatte sich Abdulmutallab gut zwanzig Minuten lang auf der Toilette aufgehalten. Seinen holländischen Sitznachbarn teilte er mit, er fühle sich unwohl und habe Magenschmerzen, woraufhin er eine Decke über seine Beine ausbreitete. Dann versuchte Abdulmutallab offenbar, den zuvor auf der Toilette scharf gemachten und mit dem an seinem Bein befestigten Sprengstoff in Verbindung gebrachten Zünder zu betätigen. Wahrscheinlich verdanken die rund 300 Menschen an Bord sowie möglicherweise Bewohner von Häusern in der Einflugschneise des Flughafens von Detroit ihr Leben dem Umstand, dass es wegen des Versagens des Zünders nur zu einer schwachen Verpuffung und nicht zu einer Explosion kam.

          Weitere Themen

          Die Fortsetzung der Revolution

          Wahlen in der Ukraine : Die Fortsetzung der Revolution

          Die Ukrainer wählen an diesem Sonntag ein neues Parlament. Ihm werden voraussichtlich viele junge Menschen angehören, die sich bei einem Casting durchgesetzt haben – bei dem sie zur Probe „Gesetzentwürfe“ schreiben mussten.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: Erstes Zeitungsinterview : AKK stellt sich vor ihre Soldaten: „Kein Generalverdacht“

          In ihrem ersten Zeitungsinterview als Verteidigungsministerin spricht Annegret Kramp-Karrenbauer über ihr Verhältnis zum Militär, über das Vermächtnis der Männer des 20. Juli und über den Lieblingspulli ihrer Teenagerzeit. Auch in kritischen Zeiten werde die Truppe ihr Vertrauen genießen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.