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Israel : Gericht verbietet Film über Jenin

Ein palästinensischer Polizist im Flüchtlingslager in Jenin im August 2002. Weite Teile des Lagers wurden bei Gefechten zwischen der israelischen Armee und palästinensischen Kämpfern zerstört. (Symbolbild) Bild: Picture-Alliance

Mehr als 50 Palästinenser und zwei Dutzend israelische Soldaten wurden 2002 bei Gefechten in Jenin getötet. Ein Filmemacher drehte darüber eine kontrovers diskutierte Dokumentation. Ein an den Kämpfen beteiligter Reservist klagte dagegen – und bekam nun Recht.

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          Es war während der Zweiten Intifada, als die Kämpfe um Jenin ihren Höhepunkt fanden. Mehr als fünfzig Palästinenser und zwei Dutzend israelische Soldaten wurden im April 2002 bei den Gefechten im Flüchtlingslager der Stadt im Norden des Westjordanlands getötet. Aus Jenin kamen viele Selbstmordattentäter. Doch rief das Vorgehen der israelischen Streitkräfte in den palästinensischen Wohngebieten Kritik hervor.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass der größere Teil der bei den Kämpfen um Jenin getöteten Palästinenser Zivilisten gewesen seien. Israel dagegen hielt die allermeisten der Getöteten für Kombattanten. Während der Gefechte durften Journalisten oder Menschenrechtler das Gebiet nicht betreten, und es war im Wesentlichen die Sprechereinheit der israelischen Armee, die von den Ereignissen berichtete.

          Als Israel nach den fast zwei Wochen dauernden Gefechten den Zutritt wieder erlaubte, ging der israelisch-palästinensische Filmemacher und Schauspieler Muhammad Bakri in die Trümmerlandschaft, interviewte Einwohner und stellte daraus einen als solchen bezeichneten Dokumentarfilm her – einen einseitigen, zumal dieser die Sicht der Palästinenser präsentierte, ohne israelische Stimmen zu Wort kommen zu lassen. Und einen kontroversen, da Bakri den Film „Jenin, Jenin“ seinem während der Dreharbeiten getöteten Producer gewidmet hat, der sich als Mitglied der Al-Aqsa-Brigaden herausstellte. In dem Film behauptete „Massaker“ werden nicht belegt.

          Anwalt kritisiert Urteil als „politisch motiviert“

          Fast zwei Jahrzehnte später hat ein israelisches Gericht den Film nun verboten und geurteilt, dass sämtliche Filmrollen beschlagnahmt werden. Ein an den damaligen Kämpfen beteiligter Reservist, der für wenige Sekunden im Film zu sehen ist, hatte wegen Verleumdung geklagt und hat nun recht bekommen. Der Regisseur muss dem früheren Soldaten darüber hinaus umgerechnet 45.000 Euro zahlen sowie die Prozesskosten in Höhe von rund 12.000 Euro tragen, so die Vorsitzende Richterin des Bezirksgerichts von Lod.

          Bakri, der international als Schauspieler bekannt ist, zuletzt etwa in der Serie „Homeland“, kündigte an, gegen das Urteil Berufung vor dem Obersten Gericht einzulegen. Sein Anwalt kritisierte, das Urteil sei politisch motiviert gewesen, da man die inkriminierten Sekunden des Films hätte herausschneiden können. Zudem greife nach sieben Jahren eine Verjährung des Falls, zumal im Film vorkommende Augenzeugen längst verstorben seien.

          Die politische und militärische Führung Israels dagegen begrüßte das Urteil ausdrücklich. Verteidigungsminister Benny Gantz äußerte: „Ich weiß genau, dass unsere Soldaten den Verhaltenskodex der Waffenreinheit strikt einhalten und mehr als andere Armeen die Tötung unschuldiger Zivilisten verhindern.“

          Armeechef Aviv Kochavi begrüßte das Urteil als „scharfe und klare Botschaft, die unseren Truppen Rückhalt gibt“. Redefreiheit dürfe die Soldaten nicht schutzlos lassen. Oppositionsführer Jair Lapid nannte das Urteil eine „Korrektur einer schrecklichen Ungerechtigkeit gegenüber den (gefallenen) Soldaten“.

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