https://www.faz.net/-gpf-z77e

Georgien : Russischer Spionagering ausgehoben

  • Aktualisiert am

Russland wirft dem georgischen Präsidenten Saakaschwili vor, unter chronischer „Spionomanie” zu leiden Bild: dpa

In Georgien ist ein russischer Spionagering mit 13 Agenten ausgehoben worden. Die festgenommenen Männer, unter ihnen auch vier Russen, hätten Moskau mit geheimen Informationen versorgt, teilte das georgische Innenministerium mit. Moskau wies die Vorwürfe als „antirussische Provokation“ zurück.

          1 Min.

          Das Innenministerium veröffentlichte die Klarnamen der Beschuldigten auf seiner Internetseite und bestätigte damit erstmals Medienberichte, nach denen die Verdächtigen seit Oktober in Haft sitzen. Russland bezeichnete die Festnahmen als politischen Störversuch vor dem Nato-Gipfel in Lissabon, an dem auch Präsident Dmitri Medwedjew teilnehmen will. „Das Regime Saakaschwili leidet unter einer chronischen „Spionomanie“, hieß es in einer Erklärung des russischen Außenministeriums, das dem georgischen Präsidenten Verfolgungswahn vorwarf. Es sei nicht die erste Aktion dieser Art. Die Opposition in Tiflis lastete Saakaschwili an, damit von innenpolitischen und vor allem wirtschaftlichen Problemen ablenken zu wollen.

          Seit 2008 sind die diplomatischen Beziehungen unterbrochen

          Russland und Georgien unterhalten seit ihrem Südkaukasuskrieg 2008 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Damals hatte die georgische Führung die Kontrolle über ihre abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien verloren. Russland hatte die beiden Gebiete nach dem Krieg trotz internationaler Proteste als unabhängige Staaten anerkannt und dort Tausende Soldaten stationiert.

          Die Führung in Moskau wirft Saakaschwili vor, eine Rückeroberung der Gebiete vorzubereiten. Die mutmaßlichen Agenten, darunter auch Mitarbeiter von Ölfirmen und sechs georgische Militärpiloten, sollen für das Verteidigungsministerium in Moskau gearbeitet haben. Das georgische Staatsfernsehen hatte seit Tagen in einem Werbespot eine Enthüllungsreportage zu dem Spionagefall angekündigt.

          In Russland spricht man von „antirussischer Hysterie“

          Das Außenministerium in Moskau sprach von „antirussischer Hysterie“ auch mit Blick auf den Gipfel der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Kasachstan Anfang Dezember. „Offensichtlich geht es Georgien darum, vor diesen Gipfeln die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und Russland zu schaden“, sagte ein Ministeriumsmitarbeiter. Saakaschwili wolle mit dem Fall allem Anschein nach bei den Vereinigten Staaten und der EU um Unterstützung gegen die „russische Gefahr“ werben, sagte der Moskauer Politologe Wjatscheslaw Nikonow.

          Die Agentur Interfax zitierte Moskauer Geheimdienstkreise, denen zufolge die Verdächtigen keine russischen Agenten seien. Die georgische Spionageabwehr enttarnte den Ring nach eigenen Angaben durch einen Agenten im russischen Verteidigungsministerium. Der frühere Sowjetoffizier habe die Namensliste sowie umfangreiche Computerdateien an die georgischen Behörden übergeben.

          Weitere Themen

          SPD gewinnt, AfD verliert

          Umfrage : SPD gewinnt, AfD verliert

          Zum Abschluss ihres Parteitags gibt es für die SPD gute Nachrichten von den Meinungsforschern. Unter den neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans kann die Partei in der Wählergunst zulegen.

          Topmeldungen

          Die neuen Vorsitzenden der SPD Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Umfrage : SPD gewinnt, AfD verliert

          Zum Abschluss ihres Parteitags gibt es für die SPD gute Nachrichten von den Meinungsforschern. Unter den neuen Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans kann die Partei in der Wählergunst zulegen.

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.