https://www.faz.net/-gpf-okqp

Georgien : "Ich biete Rußland unsere Freundschaft an"

Inaugurationszeremonie für Mikhail Saakashvili Bild: dpa/dpaweb

Amtseinführung in Tiflis: Georgiens Präsident Saakaschwili steht vor einer schweren Aufgabe. Zu den drängendsten Problemen zählen die desolate wirtschaftliche Lage und separatistische Tendenzen im Land.

          4 Min.

          Die Erwartungen an ihn sind ebenso groß wie die Probleme seines Landes. Am Sonntag hat Micheil Saakaschwili, der neue Präsident Georgiens, bei seiner Amtseinführung in Tiflis versprochen, alles dafür zu tun, um sein verarmtes und zerrissenes Land in eine bessere Zukunft zu führen. Er werde die Korruption ausmerzen und die Einheit des Landes wiederherstellen, sagte das erst 36 Jahre alte Staatsoberhaupt in einer Ansprache während der feierlichen Zeremonie vor dem Parlamentsgebäude, an der auch der amerikanische Außenminister Colin Powell und der russische Außenminister Igor Iwanow teilnahmen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Saakaschwili, ein überzeugter Anhänger eines außenpolitischen Westkurses, schlug Moskau in seiner Rede vor, die gespannten Beziehungen zu verbessern. "Wir brauchen Rußland nicht als Feind, sondern als Freund. Ich biete diese Freundschaft an", sagte er unter dem Beifall Tausender Gäste. Viele von ihnen trugen, wie auch der neue Präsident selbst, eine Rose in der Hand in Erinnerung an die "Rosenrevolution", den friedlichen Machtwechsel vom November. Der im Westen ausgebildete Rechtsanwalt hatte damals die wochenlangen Proteste gegen die Fälschung der Parlamentswahl angeführt, die zum Rücktritt seines Vorgängers Eduard Schewardnadse führten. Am 4. Januar war Saakaschwili mit mehr als 96 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt worden.

          Desolate wirtschaftliche Lage

          Eines der größten Probleme Georgiens ist seine desolate wirtschaftliche Lage. Für Saakaschwilis Erfolg wird es entscheidend sein, ein Wirtschaftswachstum zu erreichen, von dem die Bevölkerung profitiert. Das offizielle Durchschnittseinkommen liegt bei 50 Dollar im Monat. Zugleich ist Georgien nach einer jüngsten Studie der Weltbank eines der Länder mit dem weltweit größten Anteil der Schattenwirtschaft an der Nationalökonomie. Saakaschwili hat eine Anti-Korruptions-Kampagne schon mit der Entlassung von bestechlichen Staatsdienern und der Verhaftung von Mafia-Paten begonnen. Er widme seine Präsidentschaft "allen verarmten Bürgern", sagte er. Damit deren Hoffnung nicht schnell in Frustration umschlägt, wird der Staat zumindest die Renten und Löhne rechtzeitig auszahlen müssen; bisher ist er mit Monaten, zum Teil Jahren in Rückstand. Saakaschwili hat klargemacht, daß er auf die Hilfe ausländischer Geber hofft, um das zu schaffen.

          Noch schwerer kann er das Ziel erreichen, die staatliche Einheit Georgiens wiederherzustellen. Denn zwei Regionen, Abchasien und Südossetien, haben sich Anfang der neunziger Jahre in blutigen Bürgerkriegen von Tiflis losgesagt, in einer dritten, der Autonomen Republik Adscharien, herrscht seit dieser Zeit der Despot Aslan Abaschidse. Saakaschwili hat klargemacht, daß er sich damit nicht abfinden will. Am Samstag, dem ersten Tag seiner Amtseinführung, reiste er in das Kloster Gelati nahe der zweitgrößten Stadt Kutaisi. Dort legte er am Grab von König David dem Erbauer, dem Begründer des georgischen Staates Anfang des 12. Jahrhunderts, den Eid auf die Bibel ab und empfing den Segen des Patriarchen der georgischen orthodoxen Kirche, Iljas II.

          „Unsere Vorfahren nicht verraten"

          Weitere Themen

          Riesenprotest im Miniformat Video-Seite öffnen

          „Toy Story“ in Hongkong : Riesenprotest im Miniformat

          Sie sind unglaublich detailgetreu: Demokratieaktivisten in Form von Figürchen und Puppen sind in Hongkong derzeit der letzte Schrei. Wegen der politischen Zensur in der chinesischen Sonderverwaltungszone mussten einige Teile im Ausland hergestellt werden.

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

          „Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

          Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.