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George W. Bush wird 70 : Globaler Buhmann

Die Präsidentschaft hat ihn alt gemacht: 62 Jahre alt ist George W. Bush auf diesem Bild aus dem Jahr 2008. Er telefoniert mit Salam Fayyad, dem damaligen Ministerpräsident der Palästinensischen Autonomiegebiete. Es ist einer von Bushs letzten Tagen im Amt. Bild: dpa

Zwei folgenschwere Kriege angezettelt, Verbündete vor den Kopf gestoßen, Amerikas Ansehen ruiniert: Kaum ein amerikanischer Präsident wurde so heftig kritisiert wie George W. Bush. An diesem Mittwoch wird er 70 – eine Bilanz.

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          Nur wenige westliche Politiker sind so zum globalen Buhmann geworden wie George Walker Bush. Der 43. Präsident der Vereinigten Staaten hat zwei bis heute folgenschwere Kriege geführt, viele Verbündete vor den Kopf gestoßen, Amerikas Ansehen in der Welt nachhaltig beschädigt und am Ende sein eigenes Land gespalten. So liest sich jedenfalls die Bilanz seiner beiden Amtszeiten aus europäischer, nahöstlicher oder asiatischer Sicht. In Amerika dürfte das Urteil nicht ganz so negativ ausfallen, zumindest nicht bei vielen Republikanern. Bush und seine Leute haben ihre Politik der militärischen Vorwärtsverteidigung immer damit gerechtfertigt, dass sie einen zweiten Anschlag vom Ausmaß des 11. September 2001 verhindern wollten. Das ist ihnen gelungen, auch wenn inzwischen Einzeltäter des „Islamischen Staates“ die gut organisierten Killerkommandos von Al Qaida abgelöst haben.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bush wuchs in Texas auf. Daraus leiteten vor allem seine europäischen Kritiker später eine Neigung zu einer Cowboy- und Wildwest-Mentalität ab. Prägend dürfte allerdings in erster Linie sein Elternhaus gewesen sein: Vater George H. W. Bush war der 41. Präsident, sein Großvater diente als Senator. Wie es in solchen Familien in Amerika üblich ist, besuchte Bush die besten Schulen und Universitäten; danach stieg er wie sein Vater ins Ölgeschäft ein, wo er nach einigen Rückschlägen zum Millionär wurde. Er soll bis zu seinem 40. Geburtstag ein Lebemann und Trinker gewesen sein, fand dann nach eigener Darstellung aber zum Glauben und anschließend in die Politik: 1995 wurde er im heimatlichen Texas Gouverneur, 2001 Präsident. Dass sein Sieg gegen den Demokraten Al Gore so knapp ausfiel, dass der Oberste Gerichtshof die Wahl faktisch entscheiden musste, ist heute vergessen, führte damals aber zu einer Auseinandersetzung, deren Bitternis in vielen politischen Debatten der folgenden Jahre wiederkehren sollte.

          Gewinnend und selbstironisch im persönlichen Umgang

          Bush begann seine Amtszeit als „mitfühlender Konservativer“ mit Steuersenkungen und Reformen in der Sozial- und Gesundheitspolitik, die nicht nur aus Kürzungen bestanden. In der Außenpolitik, die später das alles überragende Feld seiner Präsidentschaft werden sollte, wollte er das globale Engagement Amerikas eigentlich zurückfahren. In den Vereinten Nationen und anderen internationalen Gremien zeigte sich hier außerdem früh seine Neigung zu unilateralem Handeln. Mit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington wurde Bush zum Oberbefehlshaber einer verletzten und verunsicherten Nation, die sich im Krieg sah. Diese Rolle nahm er, wie er selbst beschrieben hat, mit Entschlossenheit und ohne Zweifel an. Die Folgen waren weitreichend, für Amerika wie für den Rest der Welt: Bush marschierte erst in Afghanistan ein, wo die Hintermänner von 9/11 saßen, dann im Irak, obwohl der dortige Diktator nichts mit den Anschlägen zu tun hatte und auch keine Massenvernichtungswaffen besaß, wie man in Washington behauptete. Auf Kuba ließ Bush das stark kritisierte Gefangenenlager in Guantánamo errichten, und er weitete die Befugnisse der amerikanischen Sicherheitsbehörden im In- und Ausland erheblich aus.

          Heute weiß man, dass die anfänglichen militärischen Erfolge ein falsches Bild vermittelten; beide Länder glitten in einen Bürgerkrieg ab, der vor allem im Irak Grundlage für die weitere Ausbreitung des Dschihadismus wurde. Bush, der im persönlichen Umgang ein gewinnender und selbstironischer Mann ist, verlor bei seinen Landsleuten endgültig an Zustimmung, als seine Regierung ungeschickt und schlecht vorbereitet auf den Hurrican „Katrina“ reagierte, der New Orleans verwüstete. Bei der Präsidentenwahl 2008 entschieden sich die Amerikaner für Barack Obama, der sich ihnen ausdrücklich als Gegenmodell zu Bush empfahl. An diesem Mittwoch wird Bush 70 Jahre alt.

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