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Gespräch über George H.W. Bush : „Er wollte, dass Deutschland wiedervereint wird“

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Clayland Boyden Gray (r) unterhält sich 1992 mit George H. W. Bush (l) im Oval Office Bild: Clayland Boyden Gray

Wer war der Politiker, wer der Mensch George H.W. Bush? Ein Gespräch mit einem alten Weggefährten, seinem ehemaligen Rechtsbeistand im Weißen Haus und Familienfreund Clayland Boyden Gray.

          Mein Beileid, Botschafter Gray, Sie haben vergangene Woche in George H. W. Bush einen langjährigen Freund verloren. Haben Sie mit der Familie gesprochen? Wie geht es den Bushs?

          Den Umständen entsprechend. George Bush war 94 Jahre alt, er war zuletzt sehr schwach. Der Tod kam nicht ganz unerwartet. In gewisser Weise war es eine Erlösung. Er war sehr traurig nach dem Tod seiner Frau Barbara im Frühjahr. Er saß im Rollstuhl, war ansonsten praktisch unbeweglich, was nicht schön war. Aber im Kopf war er fit bis zu seinem Tod. Er wollte einfach nicht unendlich lang künstlich am Leben erhalten werden.

          Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit ihm?

          Das war 1980, Ende November, kurz nach der Präsidentenwahl. Er hat mich interviewt für den späteren Job, den ich unter ihm ausüben sollte. Ich muss dazu sagen, dass unsere Väter sich kannten, sie gingen damals hin und wieder zusammen über den Golfplatz. Ich bekam den Job aber nicht über die Familienbeziehung, wir Söhne hatten uns nie getroffen. Das Jobinterview ergab sich, weil ich den Business Roundtable, in dem die 200 größten Unternehmen Amerikas vertreten sind, in juristischen Angelegenheiten beraten hatte. Einer meiner Chefs dort kannte George Bush aus Yale. Er erwähnte mich, als Bush ihm erzählte, dass er einen Rechtsbeistand suchte, nachdem Reagan, der ihn zum Vizepräsident ernannt hatte, die Wahl gewonnen hatte.

          Bush besaß bereits ein öffentliches Profil als Unternehmer, Politiker, Botschafter, CIA-Direktor. Was hatten Sie für einen Eindruck von ihm damals?

          Bush hatte einen Ruf als smarter, gewiefter Unternehmer. Er besaß eine sehr gut gehende Ölfirma, saß im Aufsichtsrat einer Bank und eines Pharmaunternehmens, dann entschied er sich Ende der sechziger Jahre, in die Politik zu gehen. Er war kein Hardcorekonservativer, er war rechts der Mitte, so wie ich. Er war ein angenehmer Zeitgenosse.

          Dann hat er Sie im Interview nicht in die Mangel genommen?

          Doch, er hat mich schon ein bisschen über dem Feuer hängen lassen. „Hire and fire“, das kannte er als Unternehmer nur zu gut, er wusste, wie man solche Interviews führt und was er von einem Bewerber wissen wollte. Das Problem im Interview war eigentlich nur, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau klar war, wie seine Rolle als Vizepräsident in Absprache mit Präsident Reagan aussehen würde.

          Welche politische Vision legte er Ihnen dar, als er acht Jahre später selbst zum 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde? Es waren turbulente Zeiten, die Sowjetunion stand vor ihrem Kollaps, der Kalte Krieg  war noch nicht vorüber.

          Wenn Sie aufregende Geschichten über seine Außenpolitik hören wollen, müssen Sie Leute wie James Baker, seinen damaligen Außenminister, fragen. Ich war zwar involviert darin, für den Golfkrieg eine Mehrheit im Kongress zu sichern, aber die meisten meiner Aufgaben bezogen sich auf innenpolitische Angelegenheiten. Er hatte ein großartiges Team. Er wollte, dass Deutschland wiedervereint wird, was Margaret Thatcher nicht unbedingt im Sinn hatte. Er wollte die Sowjetunion aufbrechen. Er wollte die richtigen Bedingungen schaffen für eine friedliche Welt nach Ende des Kalten Krieges.

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