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Kommentar zu George H.W. Bush : Ein Freund der Deutschen

George H.W. Bush Bild: dpa

George H.W. Bush war ein Atlantiker im besten Sinne. Er verkörperte den Typus von Republikaner, wie er heute nicht allzu hoch im Kurs in Washington steht. Das macht den Verlust für Deutschland doppelt schmerzlich.

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          Die Würdigungen, die George H.W. Bush schon zu seinen Lebzeiten zuteilwurden und jetzt aus Anlass seines Todes, mit großer Betroffenheit gemischt, wiederholt werden, sind berechtigt. Der 41. Präsident der Vereinigten Staaten war ein Multilateralist, einer, der auf der Basis fester Prinzipien und ordnungspolitischer Grundsätze auch den Ausgleich mit Staaten jenseits der westlichen Bündnisse suchte. Aber wie der im August gestorbene Senator John McCain war Bush zu keinem Zeitpunkt im Zweifel über die Bedeutung und den Sinn der Atlantischen Allianz. Sie war und ist das starke Glied, das Amerika mit Europa verbindet.

          Der gegenwärtige Präsident mag die Nato als eine Art Inkasso-Betrieb (miss-)verstehen;  Bush jedoch, darin einig mit seinem Vorgänger und seinen drei Nachfolgern Clinton, Bush-Sohn und Obama, sah in ihr den Grund, auf dem westliche Sicherheit und Prosperität ruhen. In gewisser Weise markiert sein Tod das Ende einer Ära, in der die europäischen Staaten und Amerika zwar nicht immer einer Meinung waren und trotz unterschiedlicher Machtausstattung manchen Dissens ziemlich weit trieben, aber nie am Fundament ihrer Verbindung rüttelten.

          In George H.W. Bush verliert gerade Deutschland einen Partner und Freund. In Zeiten grundstürzender Veränderungen hielt er fest zu den Deutschen, als die Wiedervereinigung in Europa nicht sonderlich populär war. In seiner Regierung arbeiteten viele daran, dem wiedervereinigten Deutschland einen festen Platz zu geben, auch im Bündnis, mit großem Verständnis und mit Sympathie für die Anliegen der Deutschen. Auch das ist heute alles andere als selbstverständlich. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

          Noch vor dem Fall der Mauer, im Mai 1989, erhob Bush Deutschland in den Rang einer Führungsmacht, als er eine „Partnership in leadership“ anbot, die Partnerschaft bei der Führung des Westens. Der damalige Bundeskanzler Kohl war nicht rundherum erfreut über diese Promotion, da er Deutschland, was ja zu dem Zeitpunkt noch die alte Bundesrepublik war, vor allem im europäischen Kontext verortete und nicht als herausgehobene Macht dachte. Aber in Bushs Angebot spiegelte sich die Wertschätzung, die der deutsche Partner – und auch die Person Kohl – in Amerika genoss. Und sie nahm die großen Erwartungen vorweg, die nach der Vereinigung mehr und mehr an Deutschland gerichtet wurden – und weiter werden.

          George H.W. Bush war ein Atlantiker im besten Sinne. Er verkörperte den Typus von Republikaner, wie er heute nicht allzu hoch im Kurs in Washington steht. Das macht den Verlust für Deutschland doppelt schmerzlich.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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