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Trauer um George H.W. Bush : Abschied vom Patriarchen

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George W. Bush bei der Trauerfeier für seinen Vater George H.W. Bush Bild: AP

Bei der Trauerfeier für George H.W. Bush erinnerten Familienmitglieder und Politiker an den 41. Präsidenten – und an vermeintlich leichtere Zeiten für das Land. Präsident Trump kam, sprach aber nicht zu Ehren des Verstorbenen.

          Für ein paar Stunden hielt das politische Washington am Mittwoch inne und nahm Abschied von George Herbert Walker Bush, dem 41. Präsidenten. In der National Cathedral erinnerten Familienmitglieder und Politiker an den Mann, der die Vereinigten Staaten nach dem Ende des Kalten Krieges in eine „neue Ära der amerikanischen Dominanz in der Welt“ geführt habe, wie die „New York Times“ schrieb. Eines der beherrschenden Themen der Nachrufe der vergangenen Tage, das sich beim Gedenkgottesdienst fortsetzte, war die „Anständigkeit“ mit der Bush regiert habe. „Wenn die Geschichtsbücher geschrieben werden, wird es darin heißen, dass George H.W. Bush ein großartiger Präsident der Vereinigten Staaten war, ein Diplomat mit unvergleichlichen Fähigkeiten, ein formidabler Oberkommandierender und ein Gentleman, der die Pflichten seines Amtes mit Würde und Ehre erfüllte“, sagte Sohn George W. Bush in seiner Trauerrede.

          George H.W. Bush wurde 94 Jahre alt und starb am vergangenen Freitag in seinem Haus in Houston in Texas. Er war von 1989 bis 1993 Präsident. Auf ihn folgte Bill Clinton, sein Sohn George W. Bush übernahm das Amt im Jahr 2001. Sein Vater habe ihm gezeigt, was es bedeute, ein Präsident zu sein, „der mit Integrität dient, mit Mut führt und mit Liebe im Herzen für die Bürger unseres Landes handelt“, sagte sein Sohn. George W. Bush hielt seine Tränen nicht zurück, als er von den letzten Worten seines Vaters berichtete: „Ich sagte, Dad, ich liebe dich, und du warst ein wundervoller Vater. Und die letzten Worte, die er jemals auf Erden sagen würde, waren: 'Ich liebe dich auch.'“ Am Ende seiner Rede schluchzte der ehemalige Präsident. Auf dem Weg zurück zu seinem Platz klopfte er kurz auf den Sarg seines Vaters, als würde er ihm kameradschaftlich auf die Schulter klopfen wollen.

          Mehrere Redner würdigten die Leistungen des Verstorbenen. Sie erinnerten aber auch an seine humorvollen Seiten. Historiker Jon Meacham wusste zu berichten, dass Bush im Wahlkampf einst die Hand einer Schaufensterpuppe geschüttelt habe, um sie zur Stimmabgabe zu bewegen. „Als er seinen Fehler bemerkte, sagte er: Man weiß nie, fragen muss man.“ Alan Simpson, früherer Senator aus Wyoming, sagte, dass Bush auch über sich selbst habe lachen können: „Humor ist ein universelles Mittel gegen die härteren Elemente des Lebens,“ so Simpson.

          Trump ignoriert die Clintons

          Donald Trump war, anders als beim Begräbnis von Senator John McCain Anfang September, ausdrücklich zur Trauerfeier eingeladen worden. George H.W. Bush hatte das so gewollt; es sei ihm aus Respekt vor dem Amt wichtig gewesen, hieß es. Trump saß also mit First Lady Melania neben den ehemaligen demokratischen Präsidenten Barack Obama, Bill Clinton und Jimmy Carter, sowie deren Ehefrauen, in der ersten Reihe. Mit den Clintons gab es allerdings keine Interaktion. Immerhin fordert Trump regelmäßig dazu auf, seine ehemalige Konkurrentin Hillary Clinton einzusperren. Mit den Obamas tauschte das Präsidentenpaar einen kurzen Gruß aus. Wesentlich herzlicher gingen die Bushs und die Obamas miteinander um – George W. Bush teilte, wie schon bei McCains Beerdigung, offenbar seine Bonbons mit Michelle Obama, was in den sozialen Medien mit Begeisterung quittiert wurde.

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