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Gentechnik : Die Bauern und die Detektive

Troy Roush war einer der ersten Bauern, der Monsantos Jagd auf Patentsünder zu spüren bekam. Der 41 Jahre alte Roush passt perfekt in das Bild des Riesenfarmers im ländlichen amerikanischen Nirgendwo: Seine Farm in der Gemeinde Van Buren in Indiana hat eine Fläche von 2200 Hektar. „Ich könnte Sie an einem Tag gar nicht abfahren.“ Roush baut vor allem Mais und Soja an. Seine Farm, die er zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater bewirtschaftet, bringt einen Jahresumsatz von 3,5 Millionen Dollar ein, auch für amerikanische Verhältnisse ein stattlicher Betrag. Im Schnitt bleiben der Familie 10 Prozent vom Umsatz als Nettogewinn, also 350.000 Dollar.

Besuch von Monsanto bekam er an einem Tag im September 1999. Auch bei Roush standen zwei Männer vor der Tür. „Die haben mir Dienstmarken vor die Nase gehalten, als seien sie Polizisten“, erzählt er. Die Männer hätten ihn gefragt, ob er Saatgut aufbewahre, also gegen seinen Vertrag mit Monsanto verstößt. Er verneinte, und die Männer gingen wieder, aber der Bauer sollte bald merken, dass es damit nicht getan war. Einige Monate später kam ihm zu Ohren, dass ein Monsanto-Vertriebsmann in der Gemeinde erzählte, die Roush-Familie werde bald ihre Farm verlieren. Und im Frühjahr 2000 flatterte Roush eine Klage von Monsanto ins Haus. Der Konzern warf Roush Vertragsbruch vor, weil er unerlaubt Saatgut aufbewahre. Roush weist die Anschuldigungen bis heute zurück.

Zermürbender Rechtsstreit

Mit der Klage begann eine zwei Jahre währende juristische Auseinandersetzung, die Roush mehr als 400.000 Dollar an Anwaltshonoraren kostete. „Das ist genau deren Strategie. Die wollen dich in Anwaltsgebühren begraben, bis Du aufgibst.“ Roush war lange entschlossen, den Rechtsstreit auszufechten. Irgendwann reichte er sogar selbst eine Klage gegen Monsanto wegen Verleumdung ein, aber im Jahr 2002 streckte er die Waffen und schloss einen Vergleich.

Über die finanziellen Konditionen des Vergleichs haben beide Seiten damals Vertraulichkeit vereinbart, und Roush gibt auch heute keine Details preis. Seiner Wut über Monsanto lässt er aber freien Lauf: „Monsanto schuldet mir eine öffentliche Entschuldigung. Wir haben nichts Falsches getan, und die konnten uns nie etwas beweisen.“ Er sagt, der Konflikt mit Monsanto habe ihn schwer mitgenommen: „Ich habe in der Zeit Medikamente gegen Angstzustände geschluckt.“

Spuren von Genpflanzen

Auch bei David Runyon hat der Streit mit Monsanto einen Tribut gefordert, wie seine Frau Dawn erzählt. „Er hatte keinen Appetit mehr und hat zwanzig Pfund verloren. Er war so fahrig, dass ich Angst hatte, ihm passiert ein Unfall mit irgendeiner Maschine auf dem Hof.“ Dabei ging die Auseinandersetzung bei Runyon um einiges glimpflicher ab als bei Roush. Im Gegensatz zu Roush war Runyon gar kein Monsanto-Kunde und hat entsprechend keinen Vertrag unterschrieben, er baut auf seiner 400 Hektar großen Farm fast nur konventionelle Pflanzen ohne Gentechnik an. Trotzdem verdächtigte ihn Monsanto, unerlaubt Gensaatgut zu verwenden. Tatsächlich sollten sich auf seinen Feldern Spuren von Genpflanzen finden, die er sich aber nach eigener Aussage von Nachbaräckern hereingeholt hat.

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