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Genozid : Armeniens Präsident: Türkei leugnet die Vergangenheit

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Präsident Kocharian: Zur Aussöhnung bereit Bild:

Kurz vor dem 90. Jahrestag des Beginns der Massaker an den Armeniern hat Eriwan der Türkei vorgworfen, historische Tatsachen zu leugnen. Präsident Kocharian forderte von Ankara, die Verfolgung und Vertreibung der Armenier als Völkermord anzuerkennen.

          Kurz vor dem 90. Jahrestag des Beginns der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich hat der armenische Präsident Robert Kocharian dem Nachbarland Türkei die Leugnung historischer Tatsachen vorgeworfen.

          „Die Position der türkischen Seite ist nicht nur durch die Leugnung der Vergangenheit, sondern auch durch eine andauernde Blockade Armeniens geprägt“, sagte Kocharian am Mittwoch in der Hauptstadt Eriwan.

          „Die Anerkennung ist wichtig“

          Die Türkei müsse die Verfolgung und Vertreibung der Armenier im Ersten Weltkrieg endlich als Völkermord anerkennen: „Die Anerkennung ist wichtig, um Völkermorde in der Zukunft zu verhindern“, sagte Kocharian. Armenien sei zur Aussöhnung bereit: „Wir gedenken der Vergangenheit mit Schmerz, aber nicht mit Haß.“

          Am Sonntag gedenkt Armenien des Beginns der Massaker am 24. April 1915. Während Armenier darauf dringen, daß der amerikanische Präsident George W. Bush die Massaker als Völkermord brandmarkt, lehnt die Türkei diesen Begriff ab. Die amerikanische Regierung bereitet derzeit die traditionelle Erklärung des Präsidenten zum Jahrestag der Massaker an den Armeniern vor. Im vergangenen Jahr hatte Bush das Wort vermieden.

          „Fanatische armenische Organisationen“

          Unterdessen haben türkische Parlamentsabgeordnete den amerikanischen Präsidenten zur „Objektivität“aufgerufen. Die armenischen Vorwürfe eines Völkermordes hätten nichts mit der historischen Wirklichkeit zu tun und seien politisch motiviert, schrieb der Vorsitzende der Türkischen Parlamentarier-Vereinigung, Hasan Korkmazcan, nach Angaben der Zeitung „Zaman“ in einem Brief an den Präsident Bush.

          Die Türkei sei sich ihrer Verantwortung im Umgang mit der eigenen Vergangenheit bewußt. Die Aktivitäten „fanatischer armenischer Organisationen“ hätten jedoch negative Auswirkungen auf die türkisch-armenischen Beziehungen.

          Kriegsbedingte Zwangsumsiedlung?

          Bei Massakern und Todesmärschen im damaligen Osmanischen Reich wurden zwischen 1915 und 1917 mehrere hunderttausend Menschen getötet.

          Armenien und ein Großteil der internationalen Öffentlichkeit bewerten dies als Völkermord, die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches spricht von einer kriegsbedingten Zwangsumsiedlung.

          Seit 1993 hält die Türkei die Grenze zu Armenien geschlossen, was der armenischen Wirtschaft schweren Schaden zufügt.

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