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Generalstreik dauert an : Tote bei neuer Gewalt in Nigeria

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Auch am Mittwoch gingen wieder Hunderttausende Nigerianer auf die Straßen, um gegen die Erhöhung der Treibstoffpreise zu protestieren. Bild: AFP

Die Islamistenorganisation Boko Haram hat in einer Videobotschaft ihre Angriffe auf christliche Einrichtungen als Vergeltungsschläge bezeichnet. In Yobe wurden abermals Menschen getötet. Die landesweiten Streiks dauern derweil an.

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          Der selbsternannte Führer der radikalen Islamistenorganisation Boko Haram, Abubakar Shekau, hat am Mittwoch in einer im Internet veröffentlichten Videobotschaft erstmals eine öffentliche Stellungnahme abgegeben. Darin bezeichnete er die Angriffe auf christliche Einrichtungen in Nigeria als Vergeltungsschläge für die „Ermordung zahlreicher Muslime“ in der Vergangenheit. Shekau nahm damit auf Zusammenstöße zwischen Muslimen und Christen etwa in der Stadt Jos Bezug, die dort immer wieder aufflammen, aber weniger einen religiösen Hintergrund haben, sondern vielmehr Streitigkeiten über Landnutzung sind.

          Shekau sagte, Boko Haram betrachte die nigerianischen Sicherheitskräfte als „legitimes Ziel“ und kündigte an, nur dann mit der Regierung verhandeln zu wollen, wenn diese Verhandlungen auf den „Grundlagen des Islam“ basierten. Er zeigte sich in dem Video mit einer kugelsichere Weste und zwei Kalaschnikow-Sturmgewehren.

          Derweil gab es wieder zahlreiche Tote bei religiösen und ethnischen Auseinandersetzungen. In Potiskum im Bundesstaat Yobe wurden am Dienstagabend acht Menschen in einer Bar getötet, unter ihnen fünf Polizisten, als Unbekannte von einem vorbeifahrenden Motorrad aus das Feuer eröffneten. In der überwiegend von Christen bewohnten Stadt Dalman im muslimischen Bundesstaat Bauchi kamen drei Menschen um. Offenbar als Reaktion auf die Mordserie im muslimischen Norden Nigerias griff eine aufgebrachte Menschenmenge am Dienstag im christlichen Süden, in der Großstadt Benin City, eine Moschee an und setzte diese in Brand. Dabei sollen nach vorläufigen Angaben fünf Menschen ums Leben gekommen sein. Nach Angaben des lokalen Roten Kreuzes sind seither 10000 Menschen, die zur muslimischen Ethnie der Hausa-Fulani gehören, aus Benin City geflohen beziehungsweise haben sich in Polizeistationen in Sicherheit gebracht.

          Waffen in Ghana beschlagnahmt

          Hinter den Anschlägen im Norden steckt mutmaßlich Boko Haram; seit Weihnachten wurden bei Terrorangriffen rund 140 Menschen getötet. Den radikalen Islamisten werden Kontakte zu Al Qaida nahestehenden Terrorgruppen in West- und Ostafrika nachgesagt. Präsident Goodluck Jonathan hatte am vergangenen Wochenende durchblicken lassen, die Gruppe erhalte Unterstützung aus dem Regierungsapparat, der Justiz und den Sicherheitskräften.

          In Ghana wurde unterdessen am Mittwoch ein Lastwagen mit Waffen beschlagnahmt, der nach Angaben der ghanaischen Polizei auf dem Weg nach Nigeria war. Nach Angaben der Polizei in Accra hatte das Fahrzeug unter anderem Sturm- und Repetiergewehre sowie große Mengen Munition geladen. Über den Käufer der Waffen wurden keine Angaben gemacht.

          Der seit Montag andauernde Generalstreik in Nigeria gegen eine drastische Erhöhung der Treibstoffpreise ging am Mittwoch unverändert weiter. Die nigerianische Regierung hatte zum 1. Januar die Subventionierung von Benzin, Diesel und Petroleum eingestellt, woraufhin sich die Preise für Treibstoff verdoppelt haben. Eine Gewerkschaft der Erdölarbeiter drohte am Mittwoch damit, die Ölproduktion zu unterbrechen.

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