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Isaf-General Kasdorf im Interview : „Auch über Panzer nachdenken“

  • Aktualisiert am

Rollen deutsche Panzer bald auch im Süden Afghanistans? Bild: picture-alliance/ dpa

Der deutsche Isaf-General Bruno Kasdorf spricht im Interview über künftige Aufgaben der Bundeswehr und die Bewegungen der Aufständischen in Afghanistan: „Ohne dass ich einen Panzerkrieg herbeireden möchte: Wenn man da drinsitzt, hat man einen besseren Schutz. Und hat gleichzeitig abschreckende Wirkung.“

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          Der deutsche Isaf-General Bruno Kasdorf spricht im F.A.Z.-Interview über künftige Aufgaben der Bundeswehr und die Bewegungen der Aufständischen.

          Herr General, wie lautet Ihre Bilanz nach gut einem Jahr als Chef des Stabes, also als rechte Hand des Kommandeurs der Afghanistanschutztruppe Isaf?

          Die Isaf-Bilanz sehe ich positiv. Wir haben von Anfang an die Initiative ergreifen können. Die Taliban hatten angekündigt, im Frühjahr eine großen Offensive zu starten. Das haben wir unterlaufen. Zusätzlich hat die afghanische Armee deutlich an Kapazität gewonnen. Ein gutes Beispiel ist die Operation in Musa Qala gewesen, wo die afghanische Armee tatsächlich in Führung war und wir sie dabei unterstützt haben.

          General Bruno Kasdorf

          Aber die schöne Erfolgsbilanz ist etwas getrübt durch die Tatsache, dass die Zahl von Anschlägen und bewaffneten Auseinandersetzungen so hoch war wie noch nie für Isaf?

          Das sehe ich nicht so. Wir haben mehr Vorfälle, ja, aber durchaus auch provoziert durch aktives Vorgehen der Isaf. Wir haben 2007 mit ungefähr 31.000 Soldaten angefangen. Jetzt sind wir bei rund 43.000. Das ist schon eine gewaltige Zunahme. Wir haben dadurch in Gebieten operieren können, wo wir vorher kaum präsent waren. Und: 70 Prozent der Vorfälle haben in zehn Prozent der Distrikte stattgefunden. Da relativiert sich eine solche Aussage.

          Wird die Isaf dieses Jahr noch aktiver werden, so dass man mit einer weiteren Zunahme von Vorfällen wird rechnen müssen?

          Ich erwarte einen weiteren Zuwachs an Fähigkeiten und Umfang bei der afghanischen Armee. Die Afghanen werden 2008 in der Lage sein, noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Es wird 2008 durchaus wieder harte Auseinandersetzungen geben. Es wird weiterhin zäh bleiben, aber wir müssen das durchstehen und wir werden auch weiter Fortschritte sehen.

          Wird der Druck von Al Qaida in Afghanistan zunehmen, wenn die Extremisten im Irak, wie es derzeit den Anschein hat, zurückgedrängt werden?

          Das ist tatsächlich die Frage, ob Al Qaida und ähnliche Organisationen die Kräfte dort herausnehmen und hier herüberverlegen. Bisher haben wir keine Anzeichen dafür. Was ich feststellen kann, sind erhebliche Verluste bei den Aufständischen, besonders auch in den Reihen der Führer. Daher würde ich mich wundern, wenn der Druck von der Seite erhöht werden würde. Eigentlich müsste das Gegenteil eintreten.

          Ist innerhalb von Afghanistan eine Verschiebung der Aufstandsaktivitäten stärker in den Norden und Westen zu erwarten – auch als Reaktion auf den zunehmenden Druck der Nato im Süden und Osten?

          Wir haben es schon mit einer Bewegung zu tun. Wenn die Aufständischen an einer Stelle Druck erfahren, werden sie anderswo versuchen, Unruhe zu stiften. Ansätze dazu haben wir jetzt im Westen und teilweise auch im Norden gesehen. Glücklicherweise haben wir in der Operation „Harekate Yolo“ Anfang Dezember deutlich gemacht, wie konsequent auch im Norden vorgegangen wird.

          Wie muss sich die Bundeswehr, die ihren Schwerpunkt und das Regionalkommando im Norden hat, auf die künftigen Entwicklungen einstellen?

          Wir lernen alle gemeinsam, wie wir uns auf bestimmte Aktivitäten einstellen müssen. Auch die Bundeswehr. Da geht es um Ausbildung, auch um Ausrüstung. Man muss überlegen, welche Rolle schwere Ausrüstung künftig spielt. Wir sehen den Einsatz von Panzern und Panzerhaubitzen im Süden, was letztendlich nutzt, um eigenes Leben zu schützen. Ohne dass ich einen Panzerkrieg herbeireden möchte: Wenn man da drinsitzt, hat man einen besseren Schutz. Und hat gleichzeitig abschreckende Wirkung.

          Es ist die Rede davon, dass die Aufgabe der Quick Reaction Force im Regionalkommando Nord, die bislang die Norweger wahrnehmen, auf die Bundeswehr zukommt. Was ist die Aufgabe dieser schnellen Eingreiftruppe?

          Es gibt die Diskussion über den Abzug von Kräften der Alliierten aus der Nordregion und darüber, wie das kompensiert werden kann. Solange das innerhalb des Mandatsrahmens ist, kann es durchaus sein, dass die eine oder andere Aufgabe auch auf die Bundeswehr zukommt. Die Quick Reaction Force ist die Reserve des Regionalkommandeurs im Norden. Dort, wo es brennt, werden diese Kräfte eingesetzt. Das kommt schon öfters vor: zur Verstärkung, auch zur Aufklärung oder zur Unterstützung der afghanischen Armee wie kürzlich bei dem Einsatz „Harekate Yolo“.

          Das war ein offensiver Einsatz?

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