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Gemeinsames Impfen : Ohne die Fehler des Frühjahrs

  • -Aktualisiert am

Überall in Europa – in diesem Fall in Athen: Kühlautomaten für Impfstoff warten in einem Logistikzentrum auf ihren Einsatz. Bild: AFP

Am Anfang der Pandemie ließ sich die EU vom Virus auseinanderdividieren. Wenn der Union jetzt Impfstoffnationalismus vorgeworfen wird – dann sind die Europäer weit gekommen.

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          Wenn irgendwann auf die Pandemie zurückgeblickt werden kann, dann gibt es viele Ländervergleiche anzustellen: Wer hat Corona wie erfolgreich bekämpft? Also auch: Wer hatte auf dem internationalen Impfstoff-Basar den dickeren Geldbeutel, die spitzeren Ellbogen oder das bessere Näschen für den zuverlässigsten Lieferanten?

          Je länger der atemlose Katastrophenmodus hinter uns liegen wird, desto deutlicher werden auch andere Fragen hervortreten: Wer hat in der Krise seine Werte geschützt – und wer seine langfristigen Interessen?

          Die Europäische Union kann stolz darauf sein, dass die Impfungen gegen Covid-19 in allen 27 Mitgliedstaaten gleichzeitig beginnen werden, vermutlich zwei Tage nach Weihnachten. Was für ein Fortschritt gegenüber dem Frühjahr! Damals wurden einseitig Grenzen geschlossen, konkurrierten Nachbarländer um Schutzausrüstung und Beatmungsgeräte. China zögerte nicht, die Gräben zu vertiefen, die sich in der europäischen Landschaft aufgetan hatten.

          Kein Grund zur Selbstgefälligkeit

          Doch Europas Regierungen besannen sich rasch. Nicht nur wurden italienische oder französische Patienten auf deutschen Intensivstationen behandelt – eine Selbstverständlichkeit, die aber bis heute in rührseligen Beiträgen gefeiert wird, weil die Sehnsucht nach Solidarität so groß ist. Vor allem schnürten sich die Europäer ein 750-Milliarden-Euro-Paket für den „Wiederaufbau“. Und sie zogen beim Impfen an einem Strang.

          Der etwas spätere Beginn der Impfungen im Vergleich zu Britannien und Amerika, für den es mehrere Gründe gibt, wird im Rückblick nicht auffallen. Wohl aber wird sich noch lange auszahlen, dass sich die Europäer nicht in Groß und Klein, Reich und Arm auseinanderdividieren ließen.

          Zu Selbstgefälligkeit besteht dennoch kein Anlass. Nicht nur der UN-Generalsekretär weiß, dass der erlösende Impfstoff auch jenseits der EU „überall und für alle Menschen zugänglich und bezahlbar“ sein muss. Es ist aber nicht zynisch, festzustellen: Wenn der EU als Ganzer jetzt Impfstoffnationalismus vorgeworfen wird, dann sind die Europäer schon ein gutes Stück vorangekommen.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

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