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Geldwäsche in Montenegro : Kandidat in Handschellen

  • -Aktualisiert am
Mächtige Unterstützung: Djukanovic, Luksic und Clinton im Mai in Budva
          4 Min.

          Treffender hätte der Tagungsort nicht gewählt sein können. Gelegen zwischen Altstadt-Mauern und Adria-Strand, zieht Budvas „Avala“ die Schönen und Reichen ebenso an wie die Ruchlosen und Halbseidenen. Verwunderlich ist das nicht: Das Fünfsternehotel an Montenegros Riviera kam erst nach einer umstrittenen Gerichtsentscheidung in die Hände der heutigen Besitzer. Die Schwester des damaligen Ministerpräsidenten Milo Djukanovic saß 2004 als Richterin in der Kammer, die der Firma Beppler & Jacobson Montenegro den Zuschlag erteilte - nur um kurz danach selbst zu dem Unternehmen zu wechseln. Eine interessante Partnerschaft, verfügten doch weder Ana Kolarevic noch ihr neuer Arbeitgeber über Erfahrungen im Hotelgewerbe, wie die Wochenzeitung „Monitor“ im März schrieb.

          Das aber war auch gar nicht nötig: „Nach der Privatisierung wurde ,Avala' berüchtigt für illegale Bauten, die Zerstörung des Ursprungsprojekts und das Hochziehen eines schwarzen Monsters, das den schönsten Teil Budvas ruinierte“, so das regierungskritische Blatt über das 1937 eröffnete Nobelhotel. Dem Management gelang es demzufolge, auf Auslandskonten geparktes illegales Geld zurück nach Montenegro zu bringen.

          Idealer Standort für Geldwäsche

          Ein offenbar weit verbreitetes Vorgehen, das die Aufnahme in Europäische Union und Nato verlangsamen könnte - ein zentrales Thema auf der vom Berliner Aspen-Institut gemeinsam mit dem montenegrinischen Außenministerium im „Avala“ ausgerichteten Konferenz „Eine stabile Sicherheitsstruktur für den Westbalkan“. Nicht ohne Grund: Nach einer gerade erschienenen Studie des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hält eine Mehrheit der Montenegriner Korruption für das zweitwichtigste Thema in ihrem Land; nur Armut und der niedrige Lebensstandard besorgt sie mehr. Charles Tannock, Berichterstatter des Europaparlaments, sieht Montenegro als idealen Standort für Geldwäsche. Mit dem Euro als offiziellem Zahlungsmittel könne die Mafia „große Mengen unregistrierter Euro-Noten mit Hilfe des Bankensystems erwerben und sie durch Noten aus anderen Zuständigkeitsbereichen waschen“.

          Objekt der Begierde: Hotelressort Sveti Stefan an Montenegros Adriaküste
          Objekt der Begierde: Hotelressort Sveti Stefan an Montenegros Adriaküste : Bild: REUTERS

          Auch wenn Montenegro seit Dezember offiziell Beitrittskandidat ist, liegt bis zur angestrebten Aufnahme in die EU noch ein weiter Weg vor der früheren jugoslawischen Teilrepublik. Der jüngste Fortschrittsbericht der EU-Kommission führt mangelnde Rechtssicherheit und politische Abhängigkeit der Justiz als größte Schwachstellen des vor fünf Jahren von Serbien unabhängig gewordenen Staates auf. Der „Avala“-Deal sei dafür nur ein Beispiel, sagt Hansjörg Brey, Geschäftsführer der Südosteuropa-Gesellschaft, der „eine massive Verwicklung der politischen Eliten in dieses Projekt“ vermutet. „Es ist undenkbar, dass dieses System den EU-Beitritt Montenegros überlebt.“

          Dabei hat die während der jugoslawischen Sezessionskriege auch deutschen Ermittlern zufolge in Schmuggel und Betrug verwickelte Führung in Podgorica - aufgrund seiner Immunität wurde eine Klage gegen Djukanovic wegen Zigarettenschmuggels von einem Gericht in Bari 2008 fallengelassen - Fortschritte gemacht. „Das Kapital aus diesen Aktivitäten ist überwiegend bereits in die legalen Geldkreisläufe eingeschleust worden“, sagt Brey. Schmutzige Geschäfte im florierenden Immobiliengewerbe an der Küste bieten sich zur Geldwäsche geradezu an. Gekämpft wird dabei mit allen Mitteln: Im April wurde „Avala“-Direktor Dragan Becirovic erschossen; dass Djukanovic bei der Beerdigung erschien, zeigt die Nähe zwischen den beiden.

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