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Nach Anschlägen in Sri Lanka : Gläubige sollen Kirchen und Moscheen weiterhin meiden

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Männer beten am Donnerstag in einer Gemeinde in der muslimisch geprägten Stadt Kattankudy. Bild: AFP

Die Gefahr von Racheakten sei nach den Anschlägen an Ostern immer noch zu groß, warnen Geistliche. Alle katholischen Gottesdienste sind bis zur kommenden Woche abgesagt – Muslime sollen die Freitagsgebete zu Hause abhalten.

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          In Sri Lanka haben muslimische und christliche Geistliche die Gläubigen dazu aufgerufen, am Freitag Moscheen und Kirchen zu meiden. Die Gefahr von Racheakten nach den Anschlägen vom Ostersonntag sei zu groß, argumentierten sie. Die Muslime sollten die traditionellen Freitagsgebete zuhause abhalten, erklärte die wichtigste muslimische Organisation All Ceylon Jamiyathul Ullama. Die Familien und das Eigentum müssten geschützt werden.

          Kardinal Malcolm Ranjith forderte die Priester auf, bis auf weiteres keine Messen in Kirchen zu feiern. „Sicherheit ist wichtig“, sagte er. Alle katholischen Gottesdienste sind bis zur kommenden Woche abgesagt worden.

          Am Ostersonntag hatten Selbstmordattentäter fast gleichzeitig mehrere Kirchen und Luxushotels angegriffen. Die radikal-islamische Miliz „Islamischer Staat“ (IS) reklamierte die Taten für sich. Im ganzen Land seien fast 10.000 Soldaten im Einsatz, um nach Verdächtigen zu suchen und religiöse Einrichtungen zu sichern, teilte das Militär mit.

          Die Polizei erklärte, man fahnde nach 140 Personen, die vermutlich im Zusammenhang mit den Anschlägen stünden. Bislang wurden fast 80 Menschen festgenommen. Unter den Inhaftierten ist auch der Gewürz-Milliardär Mohamed Ibrahim. Zwei seiner Söhne hatten am Sonntag Selbstmordattentate auf zwei Luxushotels in Colombo verübt.

          Zusammenarbeit zwischen örtlicher Terrorgruppe und IS?

          Sri Lankas Regierung geht davon aus, dass der IS mit der örtlichen
          Terrorgruppe National Thowheeth Jamaath (NTJ) zusammenarbeitete. Auch Attentate auf traditionelle Sufi-Moscheen soll die Gruppe geplant haben. Die Regierung bestätigte zudem, dass NTJ-Gründer Zahran Hashim am Ostersonntag bei dem Anschlag auf das Shangri-La Hotel in Colombo ums Leben gekommen sei. Einige Verdächtige der Osteranschläge seien aber weiter auf freiem Fuß, berichteten Medien in Sri Lanka. Die Polizei veröffentliche dazu Fahndungsfotos.

          In der Nacht zum Freitag trat wieder eine Ausgangssperre in Kraft. Mehr als 70 Prozent der 22 Millionen Einwohner Sri Lankas sind Buddhisten, zwölf Prozent sind Hindus, zehn Prozent Muslime und gut sieben Prozent Christen.

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