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Geheimprojekt Icreach : Die Suchmaschine der NSA

  • Aktualisiert am

Datensammler NSA Bild: dpa

Wer im Internet nach Informationen sucht, nutzt meist die Suchmaschine von Google. Eine ähnliche Suchmaschine hat sich der amerikanische Geheimdienst NSA gebaut: Dort können Behörden wie FBI und CIA Milliarden Informationen über jeden von uns finden.

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          Der amerikanischen Geheimdienst NSA hat eine eigene Suchmaschine programmiert, um auf diesem Weg Milliarden Informationen an amerikanische Behörden zu übermitteln. Die NSA-Suchmaschine sieht aus wie das populäre Pendant von Google und heißt Icreach. Das geht aus einem Bericht der Enthüllungsplattform „The Intercept“ hervor, für die auch der Vertraute des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden, Glenn Greenwald, arbeitet.

          Dem „Intercept“-Bericht zufolge hat die NSA mit der Suchmaschine Icreach mehr als 850 Milliarden Informationen über Telefonanrufe, E-Mails, Standortdaten von Handys sowie Internetchats an tausende Analysten in fast zwei Dutzend amerikanischen Behörden geschickt.

          Die Dokumente, die die Existenz und Arbeitsweise der NSA-Suchmaschine Icreach beweisen sollen, habe „The Intercept“ aus den Unterlagen von Edward Snowden. Damit würde erstmals bewiesen, dass die NSA in großem Umfang gesammelte Daten an amerikanischen Behörden weitergegeben hat. Zwar hatte die NSA schon zuvor eingeräumt, dass sie Informationen mit Behörden wie dem FBI teile. Wie und in welchem Umfang diese Informationen jedoch übermittelt werden, war bislang nicht bekannt.

          Ehemaliger NSA-Mitarbeiter Edward Snowden
          Ehemaliger NSA-Mitarbeiter Edward Snowden : Bild: AFP

          Hauptnutzer von Icreach sind laut „The Intercept“ das FBI, die Defense Intelligence Agency und die amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde Drug Enforcement Agency (DEA). Icreach ermöglicht demnach Zugriff auf Informationen über private Nachrichten von Ausländern und offenbar auch auf Daten von unbescholtenen Amerikanern.

          Mit den Informationen, die durch Icreach geteilt werden, können Bewegungen von Menschen nachverfolgt und ihre sozialen Netzwerke und Freundschaften ausgekundschaftet werden. Zudem sollen es die Informationen ermöglichen, einzelne Handlungen vorauszusagen sowie Rückschlüsse auf ihre Religion und ihre politische Haltung zulassen.

          Allerdings soll Icreach keine direkte Verbindung zur eigentlichen NSA-Datenbank bieten, die mehrere Millionen Informationen über Telefonanrufe von Bürgern hat. Im Gegensatz zu dieser Datenbank, zu der nur wenige NSA-Mitarbeiter Zugang haben, können mehr als 1000 Analysten der amerikanischen Regierungsbehörden via Icreach auf eine riesige Datenmenge zugreifen.

          Michael Rogers, Direktor der NSA
          Michael Rogers, Direktor der NSA : Bild: AFP

          Laut der Geheimdokumenten der NSA war die Gründung von Icreach ein Meilenstein in der Geschichte der geheimen Überwachung. Das Suchmaschinenteam hat den Behörden bereits im Dezember 2007 erste Daten zur Verfügung gestellt, heißt es auf der Internetplattform „The Intercept.“ Pro Tag können dadurch zwei bis fünf Milliarden Aufzeichnungen von E-Mails, Telefonanrufen, Faxen, Chats, Nachrichten und Standortbestimmungen verarbeitet werden.

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