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Geheimdokumente aus dem Nahen Osten : Palästinenser wollten auf Land verzichten

  • Aktualisiert am

Ein Palästinenser befestigt eine Fahne auf der Mauer im Westjordanland Bild: dpa

Welche Zugeständnisse hat er wirklich angeboten? Angebliche Geheimdokumente, die der Fernsehsender Al Dschasira aus den Friedensverhandlungen im Nahen Osten veröffentlicht, bringen den palästinensischen Präsidenten Abbas in Erklärungsnot.

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          Die Palästinenser sind einem Medienbericht zufolge während der Friedensgespräche im Jahr 2008 zu weitaus größeren Zugeständnissen an Israel bereit gewesen, als bislang bekannt. Der arabische Fernsehsender Al Dschasira berichtete am Sonntag unter Berufung auf geheime Verhandlungsunterlagen, die Palästinenser hätten unter anderem auf Land verzichten wollen, auf dem jüdische Siedler gebaut hätten. Palästinensische Unterhändler wiesen den Bericht als erfunden zurück. Präsident Mahmud Abbas erklärte, er habe die arabischen Staaten in vollem Umfang über die Gespräche mit Israel auf dem Laufenden gehalten.

          Al Dschasira berichtete, die Palästinenser hätten Israel angeboten, alle jüdischen Enklaven in Ostjerusalem bis auf eine zu behalten. Dort leben derzeit etwa 200.000 Israelis. Im Gegenzug hätten sie den Unterlagen zufolge israelisches Land verlangt, darunter einen Bereich nahe der Grenze zum Westjordanland.

          Außerdem sollen die Palästinenser eine vorübergehende internationale Kontrolle des Geländes der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem vorgeschlagen haben. Es sollte demnach von den Palästinensern, Israel, den Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien verwaltet werden, bis beide Seiten eine dauerhafte Einigung getroffen hätten.

          „Es gibt nichts, was wir vor unseren Brüdern verheimlichen“

          Beim Thema Flüchtlinge seien die Palästinenser damit einverstanden gewesen, dass Israel über zehn Jahre hinweg jährlich 10.000 Flüchtlinge aufnehme, insgesamt also 100.000 Menschen, berichtete Al Dschasira weiter. Bislang bestehen die Palästinenser auf einem Rückkehrrecht nach Israel für alle palästinensischen Flüchtlinge und ihre Nachkommen - das sind mehrere Millionen Menschen. Die Regierung in Jerusalem lehnt das als Bedrohung für den jüdischen Charakter des Staats ab.

          Der führende palästinensische Unterhändler während der Gespräche im Jahr 2008, Ahmed Kureia, sagte der Nachrichtenagentur AP, weite Teile der von Al Dschasira zitierten Dokumente seien fingiert. Der derzeitige Chefunterhändler Sajeb Erakat wies den Fernsehbericht als Mischung von Lügen und Wahrheiten zurück. Abbas betonte am Sonntag in Kairo, er habe die Arabische Liga über alle Einzelheiten der Gespräche informiert, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete. „Es gibt nichts, was wir vor unseren Brüdern verheimlichen“, wurde Abbas zitiert.

          Die Friedensgespräche wurden nach dem Angriff Israels auf den Gazastreifen abgebrochen. Laut Al Dschasira wurde Abbas vorab über die geplante Invasion informiert; der palästinensische Präsident hat dies bislang bestritten. Der arabische Fernsehsender verfügt nach eigenen Angaben über rund 1.600 geheime Dokumente aus den Friedensverhandlungen während der vergangenen zehn Jahre. Eine Sendung am Sonntag konzentrierte sich auf das Thema Jerusalem. In den kommenden Tagen sollen weitere folgen.

          Wie der im Golfemirat Katar beheimatete Fernsehsender in den Besitz dieser Dokumente gelangte, wurde nicht erklärt. Einige Namen und Telefonnummern habe man aus den Dokumenten, die bis zum kommenden Mittwoch nach und nach ins Internet gestellt werden sollen, herausgestrichen, hieß es.

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