https://www.faz.net/-gpf-8slku

Hackerangriffe in Amerika : Geheimdienstler in Russland verhaftet

  • Aktualisiert am

Das Hauptquartier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau. Laut „Nowaja Gaseta“ wurde der Verhaftete direkt aus einer Versammlung geführt. Bild: AFP

Bereits im Dezember wurde in Russland ein Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes verhaftet. Verbindungen zu Hackerangriffen in Amerika sind möglich. Allerdings könnten es auch ganz andere Gründe geben.

          2 Min.

          In Russland werden immer mehr Details über Verhaftungen bekannt, die im Zusammenhang mit den amerikanischen Berichten über jüngste russische Hackerangriffe stehen könnten. Schon im Dezember wurde demnach ein ranghoher Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB namens Sergej Michajlow verhaftet, ein Abteilungsleiter im Zentrum für Informationssicherheit (ZIB) des Dienstes.

          Das ZIB ist formal für Cyberdelikte und den Schutz von Netzen zuständig, soll faktisch aber die gesamte russische IT-Branche kontrollieren. Für einen Auslandsbezug würde sprechen, dass Michajlow Staatsverrat vorgeworfen wird; die „Nowaja Gaseta“ berichtete, er sei vor aller Augen direkt aus einer Versammlung im FSB mit einem Sack über dem Kopf abgeführt worden.

          Ermittlungen gegen Chronopay-Gründer

          Laut der Zeitung gibt es auch eine Verbindung von Michajlow zu den amerikanischen Hackingvorwürfen. Demnach ermittelte der Agent gegen den russischen Geschäftsmann Pawel Wrubljewskij, den Gründer des niederländischen, in Russland verbreiteten Online-Bezahldienstes Chronopay, wegen Cyberangriffen auf ein Konkurrenzunternehmen. Wrubljewskij wurde deshalb 2013 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

          Chronopay vermietete laut der Moskauer Zeitung einem russischen Unternehmen namens King Servers sechs Server, die nach amerikanischen Angaben bei Cyberattacken auf Wahlsysteme der Bundesstaaten Arizona und Illinois benutzt wurden. Die Zeitung berichtete weiter, dass die amerikanischen Dienste ihre Informationen über King Servers und Wrubljewskij von Michajlow erhalten hätten. Laut russischen Medienberichten wurde ebenfalls schon im Dezember ein Untergebener Michajlows, der als Hacker vom FSB angeworben worden sein soll, unter dem Vorwurf des Staatsverrats verhaftet. Die Zeitung „Kommersant“ berichtete, die Abteilung für Eigensicherung des FSB ermittele, ob ZIB-Mitarbeiter „von einer ausländischen Organisation“ Schmiergeld erhalten hätten, wobei vermutlich ein Angestellter einer russischen IT-Sicherheitsfirma vermittelt habe.

          Verfahren wegen Staatsverrats

          In dieser Woche wurde bekannt, dass im Dezember auch ein ranghoher Mitarbeiter des Unternehmens Kaspersky Lab namens Ruslan Stojanow unter dem Vorwurf des Staatsverrats verhaftet wurde. Stojanow leitete dort die Abteilung für die Ermittlung von Cyberverbrechen, die eng mit den Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten soll. Das Unternehmen bestätigte die Festnahme und hob hervor, die Ermittlungen richteten sich gegen Stojanow „als Privatmann“.

          Allerdings wurde in Moskau auch zu bedenken gegeben, dass das Vorgehen gegen das ZIB auch lediglich Teil eines neuerlichen Verteilungskampfs in den Sicherheitsbehörden um Einfluss und Pfründe sein könnte. So gebe es etwa im FSB ein mit dem ZIB konkurrierendes Zentrum für Informationsschutz und Spezielle Verbindungen. Der Vorwurf des Staatsverrats, auf den bis 20 Jahre Haft stehen, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt.

          Weitere Themen

          Zahlreiche Tote bei Protesten Video-Seite öffnen

          Myanmar : Zahlreiche Tote bei Protesten

          Die Gewalt in Myanmar eskaliert weiter - am Mittwoch werden der UNO zufolge 38 Menschen bei den Protesten gegen die Militärjunta getötet. Die UNO spricht vom „blutigsten“ Tag seit Beginn der Demonstrationen und rufen zu Sanktionen gegen die Militärherrscher auf.

          Topmeldungen

          Markus Söder am Donnerstag in München

          Corona-Beratungen : Hat da jemand „schlumpfig“ gesagt?

          Bis in den späten Abend hinein ringen die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten um die neue Linie in Sachen Corona. Zu fortgeschrittener Stunde kommt es in der Schalte zum Schlagabtausch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.