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Geheimdienst-Enthüllungen : Snowden: „Aufgabe erledigt, ich habe gewonnen“

  • Aktualisiert am

Seit dem Juni 2013 erschüttern seine Enthüllungen die Welt: Edward Snowden, damals noch in Hongkong Bild: AFP PHOTO / THE GUARDIAN

Beim Interview in seinem russischen Exil zeigte Edward Snowden sich zufrieden. Er habe seine Ziele erreicht und sei noch nicht widerlegt worden - und in gewisser Weise arbeite er noch immer für die NSA.

          Ein halbes Jahr nach den ersten Geheimdienst-Enthüllungen hat Edward Snowden ein positives Fazit gezogen. Er persönlich sehe seine Aufgabe als erledigt an, sagte er der Zeitung „Washington Post“ in einem Interview. „Ich habe bereits gewonnen.“ Nachdem die Journalisten ihre Arbeit aufgenommen hätten, sei alles, was er vorgehabt habe, bestätigt worden. Denn er habe nicht die Gesellschaft ändern wollen. Er habe der Gesellschaft eine Chance geben wollen, selbst herauszufinden, ob sie sich ändern wolle, sagte Snowden weiter.

          Snowden hatte mehreren Journalisten aus seiner Tätigkeit als externer Mitarbeiter des Geheimdienstes NSA Dokumente zugespielt. Anfang Juni brachte ein Bericht zur Überwachung von Handy-Verbindungen den sogenannten NSA-Skandal ins Rollen. Dabei wurde unter anderem enthüllt, dass der amerikanische Geheimdienst flächendeckend Internet-Daten abgesaugt und Kanzlerin Angela Merkel abgehört hatte.

          Snowden hält sich derzeit an einem unbekannten Ort in Russland auf. Das Interview führte der „Wahington Post“-Reporter Barton Gellman,  dem Snowden NSA-Unterlagen zur Veröffentlichung hatte zukommen  lassen. Während des zweitägigen Gesprächs in Moskau sei Snowden  „entspannt und munter“ gewesen, berichtete Gellman.

          Snowden: „Ich arbeite noch immer für die NSA“

          In dem Interview wehrte sich Snowden auch gegen Vorwürfe der Illoyalität. „Ich versuche nicht, die NSA kaputt zu machen; ich arbeite daran, die NSA zu verbessern“, sagte der 30-Jährige. „Ich arbeite momentan noch immer für die NSA. Sie sind die einzigen, die es nicht bemerken.“ Snowden ergänzte, mit seinen Enthüllungen habe er lediglich erreichen wollen, dass die Bevölkerung selbst bestimmen könne, wie sie regiert werde. „Die Regierung will (mit ihrer Überwachung) etwas, das sie noch nie hatte: die totale Erkenntnis„, so Snowden. „Die Frage ist aber: Sollten wir ihr das erlauben?“

          Zu Vorwürfen, er habe sein Land zugunsten Russlands oder Chinas verraten. sagte er: „Wenn ich übergelaufen bin, dann höchstens von der Seite der Regierung zur Seite der Öffentlichkeit.“

          In dem Interview berichtete Snowden auch von seinen Zweifeln, ob die Öffentlichkeit seine Enthüllungen würde wertschätzen und seine Haltung teilen können. “Aber wenn man das gegen die einzige Alternative abwägt, nämlich nicht zu handeln, begreift man, dass irgendeine Analyse besser ist als überhaupt keine Analyse.“ 

          Obama gesteht Schaden ein

          Amerikas Präsident Barack Obama hatte Snowdens Enthüllungen Ende vergangener Woche als „unnötigen Schaden“ für die Geheimdienstarbeit und die Diplomatie bezeichnet. Zugleich räumte er aber ein, die Datensammlung und die Abhöraktionen der NSA hätten das Vertrauen von Amerikanern und ausländischen Partnern erschüttert.

          Experten hatten Obama jüngst 46 Änderungsvorschläge zur Geheimdienstarbeit unterbreitet, darunter eine stärkere Zurückhaltung bei der Überwachung ausländischer Staatslenker. Der Präsident kündigte an, das Thema im kommenden Jahr angehen zu wollen.

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