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Machtkampf in Argentinien : Nur eine kurze Atempause für Präsident Fernández

Stumpfer Säbel: Verteidigungsminister Agustín Rossi ehrt Fernández (links) für Verdienste im Kampf gegen Corona. Bild: AFP

Argentiniens Präsident Fernández hat sich in der Corona-Krise gut geschlagen – er kann damit für eine Weile von anderen Problemen des Landes ablenken. Aber im parteiinternen Machtkampf gegen Cristina Kirchner hilft ihm das nicht.

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          In einem polarisierten Land wie Argentinien sind mehr als achtzig Prozent Zustimmung ein Wunder. Doch Präsident Alberto Fernández hat es geschafft. Als die Corona-Pandemie den südamerikanischen Subkontinent erreichte, schloss es rigoros die Grenzen und verhängte eine Quarantäne. Argentiniens Infektionskurve blieb am Boden wie die Flugzeuge im Land. Fernández ging auf seine politischen Gegenspieler zu, insbesondere den Bürgermeister der Hauptstadt Buenos Aires, um die Corona-Krise gemeinsam zu meistern. Direktzahlungen wurden freigegeben, um die sozialen Folgen der Krise in Grenzen zu halten. Fernández’ Krisenmanagement brachte ihm bis weit ins oppositionelle Wählerlager Ansehen ein. Ende April genoss seine Regierung laut der Meinungsumfrage von „Opinaia“ 82 Prozent Zustimmung.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Die Corona-Krise war sein Revier – und möglicherweise auch sein Alibi. Denn alle anderen Krisen, mit denen sich das Land konfrontiert sieht, blieben zunächst im Hintergrund. Im Mai kam Argentinien dann zum neunten Mal in seiner Geschichte in Zahlungsverzug. Um den Staatsbankrott zu vermeiden, wurden die Verhandlungen mit den privaten Gläubigern für eine Umschuldung von Krediten über rund 65 Milliarden Dollar immer wieder hinausgezögert. Neuer Stichtag für eine Einigung ist der 4. August. Doch noch ist offen, ob sich die Regierung und die Gläubiger bis dahin verständigen können. Die Regierung legte mehrere Male ein „letztes Angebot“ vor, um es dann doch noch einmal nachzubessern. Vor einigen Tagen sagte Fernández, dass es kein weiteres Angebot mehr geben werde, sonst könne man nicht zahlen. Doch ein weiteres Nachgeben wird möglicherweise noch nötig sein für einen Durchbruch.

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