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Gegen jüdische Einrichtungen : Israeli soll Hunderte Bombendrohungen abgesetzt haben

Gegen dieses jüdische Museum in New York hat es Anfang März eine Bombendrohung gegeben. Bild: dpa

Nach dem Wahlsieg Donald Trumps gingen in mehreren Ländern Hunderte Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen ein. Nun hat die Polizei in Israel einen Verdächtigen festgenommen, der dafür verantwortlich sein soll.

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          Hinter Hunderten Bombendrohungen gegen jüdische Gemeindezentren und Synagogen in Europa, Australien und den Vereinigten Staaten, die in Amerika nach dem Wahlsieg Donald Trumps die Sorge vor einer neuen Welle von Antisemitismus verstärkt hatten, steckt offenbar ein jüdischer Israeli. Die israelische Polizei nahm den 19 Jahre alten Mann am Donnerstag in Aschkelon fest. Er soll die amerikanische und israelische Staatsbürgerschaft besitzen.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Die Festnahme ist nach Angaben der Behörden nach gemeinsamen Ermittlungen der amerikanischen Bundespolizei FBI und einer israelischen Cybereinheit der Polizeibehörde „Lahav 433“ erfolgt, die das Internet überwacht. Der Festgenommene habe bei dem Zugriff versucht, einer Polizistin die Waffe zu entreißen.

          Er hat keine Vorstrafen, besitzt aber eine lange Krankenakte. Nach Angaben seiner Anwältin hat der Festgenommene „seit jungen Jahren schwere medizinische Problemen. Es gibt die Sorge, dass sein medizinischer Zustand seine kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt“. Er leide seit fünf Jahren an einem Gehirntumor, sagte die Anwältin im Gericht von Rischon LeZion. Der Verdächtige habe seither keine Schule mehr besucht, die israelische Armee hatte ihn wegen Untauglichkeit ausgemustert. Auch der Vater des Teenagers wurde vorläufig festgenommen.

          Verdächtiger ist Computer-Fachmann

          Nach Angaben eines Polizeisprechers ist der Neunzehnjährige der Hauptverdächtige im Fall der vielen Drohungen. Man untersuche derzeit, „wie er mit der jüdischen Gemeinschaft verbunden ist und warum er die Drohungen machte“. Im Haus des Mannes stellten Ermittler fünf Computer, eine Hochfrequenzantenne und weitere Kommunikationsausrüstung sowie Tor-Software, mit welcher der Verdächtige die Herkunft seiner Drohanrufe verschleiert haben könnte, sicher.

          Außerdem soll er W-Lan-Netzwerke in der Nachbarschaft zum Senden seiner Drohmitteilungen genutzt haben, wie im israelischen Radio gemeldet wurde. Die Ermittler verdächtigen den Teenager auch zweier Bombendrohungen gegen Flüge von Delta Airlines in New York aus dem Jahr 2015, die zu mindestens einer Notlandung geführt hatte. Der israelische Minister für öffentliche Sicherheit Gilad Erdan gratulierte der Polizei zur erfolgreich gelösten „komplexen internationalen Untersuchung". Er hoffe, sie bringe Licht in die Aufklärung der antijüdischen Drohungen, „die große Sorge in den jüdischen Gemeinden und in der israelischen Regierung ausgelöst haben“.

          Nicht aufgeklärt sind damit aber Dutzende weitere Fälle von Antisemitismus in Amerika, so etwa die Schändung dreier jüdischer Friedhöfe. Wegen mindestens acht Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen war Anfang März bereits ein früherer amerikanischer Journalist in St. Louis festgenommen worden. Allein in diesem Jahr wurden in Amerika mindestens hundert Bombendrohungen gemeldet.

          Präsident Trump war dafür kritisiert worden, die antijüdischen Vorfälle über längere Zeit nicht verurteilt zu haben. Ende Februar hatte Trump gesagt, dass einige der Drohungen und Friedhofsschändungen „politisch motiviert“ gewesen sein könnten, „um Leute schlecht aussehen zu lassen“.

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