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Gefechte in Nagornyj Karabach : Armenien ruft Kriegszustand aus

  • Aktualisiert am

Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan rief seine Landsleute am Sonntag in einem Facebook-Eintrag auf, sich für die Verteidigung des „heiligen Vaterlandes“ bereitzuhalten. (Archivbild) Bild: dpa

Armenien und Aserbaidschan geben sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation in der Konfliktregion Nagornyj Karabach. Es soll zahlreiche Verletzte und auch Tote geben. Außenminister Maas forderte eine sofortige Einstellung der Kämpfe.

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          Armenien hat nach Kämpfen mit dem Nachbarland Aserbaidschan in der Konfliktregion Nagornyj Karabach den Kriegszustand ausgerufen. Das teilte Regierungschef Nikol Paschinjan am Sonntag in Eriwan mit. Zuvor hatte Aserbaidschan eine Militäroperation gegen Nagornyj Karabach angekündigt. Es soll zahlreiche Verletzte und rund zehn Tote unter den Soldaten in dem Südkaukasus-Gebiet geben. Es handelt sich um die schwerste Eskalation seit Jahrzehnten.

          Zwischen den verfeindeten Nachbarländern kam es nach Angaben beider Seiten am Sonntagmorgen zu schweren Gefechten. Die Hauptstadt Stepanakert sei beschossen worden, die Menschen sollten sich in Sicherheit bringen, teilten die Behörden in Nagornyj Karabach mit. Zahlreiche Häuser in Dörfern seien zerstört worden. Nach Darstellung aus Baku und Eriwan dauerten die Kämpfe an.

          Bundesaußenminister Heiko Maas forderte eine sofortige Einstellung der Gefechte. Er sei alarmiert über die abermaligen, massiven Auseinandersetzungen zwischen Aserbaidschan und Armenien und Berichte über zivile Opfer auf beiden Seiten. „Ich rufe beide Konfliktparteien dazu auf, sämtliche Kampfhandlungen und insbesondere den Beschuss von Dörfern und Städten umgehend einzustellen“, äußerte der SPD-Politiker nach Angaben seines Ministeriums in Berlin.

          Der Konflikt um die Region Nagornyj Karabach könne nur auf dem Verhandlungsweg gelöst werden. Die OSZE-Minsk-Gruppe stehe mit ihren drei Ko-Vorsitzenden, Frankreich, Russland und den Vereinigten Staaten, dafür bereit. In der Gruppe sind neben Aserbaidschan und Armenien Belarus, Deutschland, Italien, Schweden, Finnland und die Türkei vertreten. Die OSZE ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

          Aserbaidschan und Armenien gaben sich gegenseitig die Schuld für die Gefechte. Der Beschuss habe am frühen Morgen von aserbaidschanischer Seite begonnen, schrieb Armeniens Regierungschef Paschinjan auf Facebook. „Die gesamte Verantwortung dafür hat die militär-politische Führung Aserbaidschans“, teilte die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums mit. Eriwan habe Hubschrauber und Kampfdrohnen abgeschossen. Drei gegnerische Panzer seien getroffen worden. Baku dementierte dies und betonte, es handele sich bei den Gefechten um eine Gegenoffensive an der Frontlinie. Armenien habe die Kämpfe provoziert.

          Die von Armenien kontrollierte Region Nagornyj Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Baku hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren. Seit 1994 gilt in der Region eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wurde. Zuletzt flammte der Konflikt 2016 stark auf. Dabei starben mehr als 120 Menschen.

          Im Juli kam es an der Grenze zwischen den verfeindeten Republiken zu schweren Gefechten; die Kämpfe lagen jedoch Hunderte Kilometer nördlich von Nagornyj Karabach. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht; das Land hat dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert.

          Das russische Außenministerium rief beide Seiten auf, das Feuer sofort einzustellen. Zudem sollten Baku und Eriwan Gespräche aufnehmen, um die Situation zu stabilisieren. Die benachbarte Türkei warf Armenien vor, internationales Recht zu verletzen. Das Außenministerium in Ankara teilte mit, es verurteile den „armenischen Angriff“ scharf. Die Türkei stehe an Aserbaidschans Seite.

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