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Gefangenenlager Guantánamo : Video regt Kanada auf

  • -Aktualisiert am

Die Aufnahmen zeigen Khadr sichtlich verzweifelt Bild: dpa

Die Veröffentlichung eines Verhörs aus Guantánamo hat in Kanada zu heftigen Reaktionen geführt. Die Opposition fordert die Repatriierung des heute 21 Jahre alten Kanadiers pakistanischer Abstammung. Ministerpräsident Harper hält sich derweil zurück.

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          Die Veröffentlichung von Videoaufnahmen eines Verhörs des Terrorverdächtigen Omar Khadr im Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba hat in Kanada zu heftigen Reaktionen geführt. Khadr war im Jahr 2003 durch kanadische Geheimdienstmitarbeiter verhört worden. Die Opposition in Ottawa forderte die Repatriierung des heute 21 Jahre alten Kanadiers pakistanischer Abstammung.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der Abgeordnete und außenpolitische Sprecher der Liberalen Partei, Bob Rae, bezeichnete Khadr als „Kindersoldaten, der im Alter von 13 Jahren in ein militärisches Ausbildungslager geschickt“ worden sei: „Es ist wichtig für ihn, dass er endlich zurückkehrt.“ Die Regierung in Ottawa müsse auf die Wünsche der Öffentlichkeit Rücksicht nehmen und tun, was recht und billig sei, forderte Rae: „Wir müssen unsere Souveränitätsrechte wahrnehmen.“

          Keine Überstellung

          Auch die Mutter des Gefangenen, der im Juli 2002 nach einem Feuergefecht in Afghanistan festgenommen worden war, forderte die Überstellung ihres Sohnes. Elsamnah Khadr bat alle, die „etwas tun können, Omar zu helfen“, damit ihr Sohn „in Sicherheit kommt oder Unterstützung bekommt“.

          Die Mutter des Gefangenen wünscht sich, dass ihr Sohn „in Sicherheit kommt”
          Die Mutter des Gefangenen wünscht sich, dass ihr Sohn „in Sicherheit kommt” : Bild: AP

          Dagegen bekräftigten Mitarbeiter von Ministerpräsident Stephen Harper von der Konservativen Partei, es sei nicht beabsichtigt, sich bei der amerikanischen Regierung für die Überstellung Khadrs zu verwenden. Es gebe „ein Rechtsverfahren in den Vereinigten Staaten“, und Khadr habe die Möglichkeit, „seine Argumente in dem Prozess vorzubringen“.

          „Dieses Kind hat genug gelitten“

          Die Vernehmung Khadrs im Februar 2003 während vier Tagen durch kanadische Geheimdienstmitarbeiter war von der damals noch von den Liberalen geführten Regierung angeordnet worden. Mitschnitte der Vernehmungen wurden jetzt auf Anordnung des kanadischen Obersten Gerichts veröffentlicht. Khadr war offenbar drei Wochen lang durch Schlafentzug auf die Ankunft der kanadischen Beamten „vorbereitet“ worden.

          Die Videoaufnahmen zeigen den damals 16 Jahre alten Khadr sichtlich verzweifelt, er jammert und klagt, verbirgt sein Gesicht in seinen Händen, zieht sich sein Hemd über den Kopf und ruft offenbar nach seiner Mutter. „Es ist der Schrei eines verzweifelten jungen Mannes. Er erwartete, dass ihn die kanadischen Beamten mit nach Hause nehmen würden“, sagte Dennis Edney, einer von Khadrs Anwälten. Sein Mandant sei während seiner Zeit in Guantánamo von amerikanischen Wachbeamten misshandelt und gefoltert worden und habe dies den kanadischen Beamten auch gesagt. „Dieses Kind hat genug gelitten“, sagte Edney in der Nacht zum Mittwoch in Ottawa.

          Isolationshaft und Schlafentzug

          Khadr ist der einzige Staatsangehörige eines westlichen Landes, der noch immer in dem Gefangenenlager auf dem amerikanischen Marinestützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba festgehalten wird.

          Unterdessen sagte der ehemalige Fahrer des Al-Qaida-Führers Usama Bin Ladin in der Anhörung vor der Verfahrenseröffnung in dem Lager, er sei während seiner Haftzeit von mehr als sieben Jahren geschlagen, in Isolationshaft gehalten, fortgesetztem Schlafentzug ausgesetzt und bei Verhören auf anstößige Art von einer Frau berührt worden. Die Militärankläger wiesen die Vorwürfe Salim Hamdans vom Dienstag zurück.

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