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Gefangenenaustausch : Israel bestätigt Identität von Goldwasser und Regev

  • Aktualisiert am

Angehörige von Eldad Regev brechen in Trauer aus, als sich der Tod des israelischen Soldaten bestätigt Bild: AFP

Der Gefangenenaustausch zwischen Israel und der libanesischen Hizbullah-Miliz kann in seine zweite Phase gehen. Israelische Spezialisten bestätigten nach Angaben der Armee die Identität der beiden getöteten Soldaten Regev und Goldwasser. Die Hizbullah hatte die Leichen zuvor an der libanesisch-israelischen Grenze dem Roten Kreuz übergeben.

          Knapp zwei Jahre nach Ende des Libanonkrieges hat die libanesische Hizbullah-Miliz am Mittwoch die Särge mit den sterblichen Überresten von zwei israelischen Soldaten übergeben. Israelische Spezialisten bestätigten nach Angaben einer Armeesprecherin in Tel Aviv die Identität der beiden getöteten Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser. Nach der Identifizierung ist der Weg jetzt frei für die Freilassung des libanesischen Top-Terroristen Samir Kuntar sowie von vier Hizbullah-Kämpfern.

          Die Entführung von Goldwasser und Regev hatte den Libanonkrieg ausgelöst. Die Leichen wurden am Grenzübergang Nakura im Süden des Libanons dem Roten Kreuz übergeben. Die Hizbullah hatte sich nie über das Schicksal der Soldaten geäußert, während Israel seit längerem davon ausging, dass die beiden tot sind.

          DNA-Tests sollen Identität bestätigen

          Familienangehörige, Freunde und Nachbarn der beiden toten Israelis brachen in Tränen aus, als sie die Fernsehbilder mit den Särgen sahen. Letzte Hoffnungen, dass die beiden Soldaten doch noch am Leben sein können, hatten sich damit zerschlagen. Mehrere Trauergäste sprachen vom einem schwarzen Tag für Israel und schworen der Hizbullah Rache.

          Die Hizbullah übergibt die Särge mit den Leichen der beiden israelischen Soldaten

          In Israel wollten forensische Experten mit DNA-Tests klären, ob es sich bei den beiden Toten zweifelsfrei um Goldwasser und Regev handelt. Erst danach werde Israel den wegen eines Überfalls auf die Stadt Naharija im Jahr 1979 zu lebenslanger Haft verurteilten Samir Kuntar sowie vier weiterer Hizbullah-Kämpfer übergeben. Zudem sollen der Hizbullah die Leichen von 200 Arabern übergeben werden, die bei Überfällen auf Ziele im Norden Israels ums Leben kamen. Nach Angaben des arabischen Fernsehsender Al Dschazira nahm die Hizbullah vorerst die Leichen von sieben Kämpfern in Empfang sowie die sterblichen Überreste der Palästinenserin Dalal Mughrabi, die 1978 bei einem Angriff auf israelische Soldaten getötet wurde.

          Trauer bei den Angehörigen

          Die Familien Goldwasser und Regev reagierten mit großer Trauer auf die Nachricht vom Tod ihrer Angehörigen. „Zwei lange Jahre der Sorge, des Leids und großen Schmerzes sind heute zu Ende gegangen“, hieß es in einer Stellungnahme. „Leider haben wir unsere Söhne als Leichen und nicht als Lebende zurückbekommen.“

          Die Angehörigen sagten, sie seien „stolz auf die israelische Gesellschaft, die nicht geruht hat, bis die Jungs nach Hause gekommen sind“. Man danke besonders dem von den Vereinten Nationen beauftragten deutschen Vermittler Gerhard Conrad, der den Austausch mit der libanesischen Hizbullah-Miliz ausgehandelt haben.

          Der Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbullah kam nach monatelangen schwierigen Verhandlungen letztlich mit deutscher Vermittlung zustande. Weil es keine direkten Kontakte zwischen Israel und der Hizbullah gibt, bot das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) seine Hilfe bei der Übergabe an.

          Ban dankt Deutschland für Vermittlerrolle

          Der gesamte Austausch könnte sich über den ganzen Tag oder sogar bis in den Donnerstag hinein hinziehen. In Vorbereitung auf die Operation hat die israelische Armee das Grenzgebiet im Norden des Landes zur Sperrzone erklärt.

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat der Bundesregierung für ihre Vermittlerrolle beim Gefangenenaustausch gedankt. Nach einem Treffen mit Verteidigungsminister Franz Josef Jung in Berlin am Mittwoch sagte Ban: „Wir haben eng mit dem deutschen Vermittler zusammengearbeitet und wissen seine Beteiligung zu schätzen.“ Ban sprach der Bundesregierung seine „aufrichtige Dankbarkeit“ aus. Besonders in humanitärer Hinsicht sei der Gefangenenaustausch ein wichtiger Schritt. „Es muss noch mehr getan werden“, forderte Ban. (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Der Gefangenenaustausch)

          Feiern in Beirut

          Für die fünf Libanesen, die aus israelischer Haft entlassen werden sollen, ist im Libanon ein Empfang mit einem roten Teppich vorbereitet. Sie sollen nach Betreten des libanesischen Bodens sofort Militäruniformen erhalten. Später soll ihnen ein triumphaler Empfang auf dem internationalen Flughafen von Beirut bereitet werden.

          Der Vater des toten Soldaten Goldwasser äußerte sich entsetzt über die geplanten Freudenfeierlichkeiten im Libanon zur Rückkehr Kuntars „Ist der Mörder eines kleinen Mädchens Euer Held?“, fragte Shlomo Goldwasser. (Siehe auch: Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbullah: Eine zweite Befreiung)

          Der 45 Jahre alte Kuntar war der am längsten einsitzende arabische Häftling in einem israelischen Gefängnis. Er ist für den Tod von fünf Menschen verantwortlich. Die radikal-islamische Hamas-Organisation bezeichnete den Gefangenenaustausch als einen Sieg des Widerstandes über Israel. Dies sei der Beweis, dass die Entführung von israelischen Soldaten der beste Weg sei, um die Gefangenen in israelischer Haft frei zu bekommen, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri.

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