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Gefangenenaustausch : „Es kommen Tage des Sieges“

  • -Aktualisiert am

Drei der entlassenen Hizbullah-Kämpfer Bild: AP

Volksfeststimmung im Libanon: Die aus israelischer Haft entlassenen Hizbullah-Kämpfer und Samir Kuntar werden wie Helden empfangen. Dass Mörder im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen, wirft ein fahles Licht auf die Freude im Libanon.

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          Hoch zu Ross passieren die Hizbullah-Männer schon am frühen Morgen den Armee-Kontrollpunkt bei Mansouri. Ihre Pferde in gelbes Tuch gehüllt, reiten die uniformierten Kämpfer direkt auf die israelische Grenze zu; zehn Kilometer die Mittelmeerküste entlang sind es von hier bis zum libanesischen Grenzort Naqura.

          Um die Reiter herum fahren freudig hupende Jugendliche auf Mofas und Motorrädern. Zwei haben sich auf eine Suzuki gezwängt, der hintere im Trikot Michael Ballacks mit der „13“, der am Lenker trägt ein T-Shirt mit dem grünen Emblem der schiitischen Amal-Bewegung - seit dem Krieg gegen Israel im Sommer 2006 der engste Verbündete des Hizbullah-Generalsekretärs Hassan Nasrallah.

          Zwei Mörder, verehrt von den Massen

          Im Südlibanon herrscht Volksfeststimmung. „Der Libanon vergießt Tränen der Freude, Israel vergießt Tränen der Trauer“, heißt es auf Transparenten. Aus Autofenstern heraus wehen die Fahnen von Hizbullah und Amal, und überall sieht man Plakate mit dem Gesicht jenes Mannes, nach dem die „Operation Gefangenenaustausch“ benannt ist: Scheich Raduan, oder, im Klarnamen, Imad Mugniyeh, Mitgründer und langjähriger Sicherheitschef der Parteimiliz, der im Februar dieses Jahres in Damaskus bei einem Anschlag ermordet wurde.

          Militärischer Emfpang im Libanon

          Noch im Januar hatte Mugniyeh Nasrallah während der Feier des schiitischen Aschura-Festes im Süden Beiruts kurzerhand wieder aus der Menge geholt, nachdem sich der Hizbullah-Generalsekretär zum ersten Mal seit einem Auftritt kurz nach Ende des Libanon-Krieges im August 2006 in der Öffentlichkeit gezeigt hatte.

          Das Risiko erschien dem Mann zu groß, der wegen zwei Anschlägen auf die amerikanische Botschaft in Beirut 1983 sowie auf israelische und jüdische Einrichtungen in Lateinamerika in den neunziger Jahren auf der ganzen Welt gesucht worden war. Wenige Wochen später war Mugniyeh dann selbst tot. Zusammen mit ihm wurde am Mittwoch auch Samir Kuntar gefeiert. Er wurde nach fast dreißig Jahren aus der israelischer Haft entlassen, die der wegen der Ermordung dreier Israelis 1979 vebüßte. Dass diese beiden Männer im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen, wirft ein fahles Licht auf den Heldenkult im Libanon - zwei Mörder, verehrt von den Massen.

          Soldaten eindeutig identifiziert

          Am Mittwoch aber mussten sich die Libanesen vor allem im Warten üben. Denn noch am frühen Abend war unklar, ob der dritte große Held des Tages - Nasrallah selbst - in Beiruts südlicher Vorstadt Dahyeh tatsächlich vor Hunderttausenden Anhängern sprechen würde. Am Beiruter Flughafen, wo zunächst schon am Nachmittag mit einem Staatsempfang für Kuntar und vier während des Krieges gegen Israel im Sommer 2006 gefangene Hizbullah-Kämpfer gerechnet wurde, standen sich Familienangehörige der Freigelassen und Journalisten bis zum Abend die Beine in den Bauch - von Präsident Michel Suleiman, Ministerpräsident Fuad Siniora und Parlamentspräsident Nabih Berri bis dahin keine Spur.

          Dabei hatten Hizbullah-Sicherheitskräfte schon um kurz vor zehn Uhr morgens die Särge mit den Überresten der am 12. Juli verschleppten israelischen Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev an das Internationale Komitee von Roten Kreuz übergeben. Die erste Phase des Ende Juni zwischen dem israelischen Unterhändler Ofer Dekel und dem Hizbullah-Vertreter Wafiq Safa ausgehandelten Abkommens war damit eingeleitet - auch wenn es bis zum Mittag dauern sollte, ehe das israelische Militär mitteilte, dass die beiden Soldaten eindeutig identifiziert seien.

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