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Gefängnis im Irak : Neue, brutale Folterbilder aus Abu Ghraib

  • Aktualisiert am

Folter durch Demütigung in Abu Ghraib (Australisches Fernsehbild) Bild: AP

Ein australischer Fernsehsender hat bislang noch nicht bekannte Bilder aus dem irakischen Militärgefängnis Abu Ghraib öffentlich gemacht. Die Bilder zeigten, daß die Mißhandlungen noch „viel schlimmer“ gewesen seien, als bisher angenommen.

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          Die amerikanische Regierung hat die Veröffentlichung angeblich neuer Aufnahmen von Mißhandlungen irakischer Gefangener durch amerikanische Soldaten im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib kritisiert. Die Veröffentlichungen würden die Situation nur weiter aufpeitschen und unnötige Gewalt in der Welt verursachen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman, am Mittwoch in Washington. Die Vorfälle in dem Gefängnis seien bereits vollkommen untersucht und die Täter zur Rechenschaft gezogen worden.

          Der australische Fernsehsender SBS (Special Broadcasting Service) hatte zuvor Videos und Fotos ausgestrahlt, die vermutlich bislang unbekannte Folterszenen im amerikanischen Gefängnis „Abu Ghraib“ zeigen.

          „Viel schlimmer als bisher angenommen“

          Der Moderator der Sendung „Dateline“ erklärte den Zuschauern, daß die bisher unveröffentlichten Bild-Dokumente aus jener Sammlung stammen, die im Jahr 2004 weltweit Empörung hervorgerufen hatte.

          Das Militärgefängnis Abu Ghraib bei Bagdad
          Das Militärgefängnis Abu Ghraib bei Bagdad : Bild: AP

          Der Sender begründete die Ausstrahlung der Bilder mit seiner Informationspflicht. Sie würden enthüllen, daß die Mißhandlungen - sexuelle Erniedrigung, Verstümmelung und Folter bis hin zum Tod - „verbreiteter und viel schlimmer“ gewesen seien, als bisher angenommen.

          Abscheuliche Szenen

          Die Fotos, die nicht vom Sender, sondern auch von der Tageszeitung „Sydney Morning Herald“ ins Internet gestellt wurden, zeigen abscheuliche Szenen. Unter anderem ist zu sehen, wie einem am Boden liegenden Mann die Zunge aus dem Mund geschnitten wird. Ein anderes Foto zeigt einen stehenden Mann, dessen Kopf offenbar gegen eine Stahltür geschlagen wird. Mehrere Leichen werden gezeigt sowie Körperteile mit Brandwunden, möglicherweise sogar Einschußlöchern.

          Auf einigen Bildern sind westlich aussehende Männer in amerikanischer Wärterkleidung zu sehen, die während der Mißhandlungen in die Kamera lachen. Die Uniformen und Kopfbedeckungen der Gefolterten gleichen denen auf den bekannten Abu-Ghraib-Bildern.

          Auf mehreren der neuen Fotos ist offenbar der amerikanische Soldat Charles Graner zu sehen. Er war im vergangenen Jahr wegen der Mißhandlung irakischer Häftlinge in 2003 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Seine damalige Lebensgefährtin, Soldatin Lynndie England, wurde zu drei Jahren verurteilt. Sie war auf den ersten öffentlcih gewordenen Fotos unter anderem zu sehen, wie sie einen nackten Gefangenen an einer Hundeleine führt.

          „Bilder, die Amerika nicht gezeigt wissen will“

          Für die Authentizität der Dokumente verbürgt sich die SBS. Der Sender gab allerdings nicht an, aus welcher Quelle ihm die Bilder zugespielt wurden. Gegenüber dem „Sydney Morning Herald“ sagte der Produzent der Sendung, Mike Carey, er verstehe nicht, warum die Bilder nicht schon früher gezeigt worden seien, weil es wahrscheinlich sei, daß sie sich in den Händen mehrerer Journalisten befänden. Carey wurde in einem Artikel des angesehenen „Herald“-Redakteurs Matthew Moore zitiert, der am Mittwoch mit der Überschrift „Die Bilder, die Amerika nicht gezeigt wissen will“ veröffentlicht wurde.

          Nach Angaben des Senders sind die Fotos Gegenstand eines laufenden Verfahrens in den Vereinigten Staaten. In diesem versuche die „American Civil Liberties Union“ die Herausgabe aller Abu-Ghraib-Bilddokumente, die sich im Besitz der amerikanischen Regierung befinden, zu erreichen. Nachdem ein Richter im vergangenen Jahr das Begehren der Bürgerrechtsorganisation für Rechtens erklärt hatte, ging die Regierung in Berufung und stoppte so einstweilen die Weitergabe. Als Begründung führte Washington unter anderem an, daß die Veröffentlichung die antiamerikanischen Gefühle in der Welt weiter anstacheln könnte.

          Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte im Mai 2004 vor dem Senat erklärt, daß nicht alle Bilder des Abu-Ghraib-Skandals veröffentlicht worden seien. Dazu zählten nach seinen Angaben Bilder physischer Gewalt, die als „sadistisch, grausam und unmenschlich“ beschrieben werden müsse.

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