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Häftlinge misshandelt : Ermittler: „Schreckliches Gemetzel“ in Gefängnis bei Neapel

Die italienische Justizministerin Marta Cartabia im März 2021 im Parlament in Rom. Bild: EPA

Nach einer Meuterei in einem Gefängnis bei Neapel hat sich das Wachpersonal brutal gerächt. Videoaufnahmen davon setzen die italienische Justizministerin unter Druck. 52 Wärter wurden festgenommen oder unter Hausarrest gestellt.

          3 Min.

          Als in Italien im März vergangenen Jahres ein nationaler Lockdown verhängt wurde, rumorte es in den Gefängnissen des Landes. In gut zwei Dutzend Haftanstalten kam es während des strengen Lockdowns bis Ende Mai zu Meutereien. Es fehlte an Masken, an Desinfektionsmitteln, an jeglicher Schutzausrüstung in den überfüllten Anstalten. Außerdem hatten die Behörden aus Angst vor einer raschen Ausbreitung des Virus in den Zellen alle Familienbesuche ausgesetzt. Bei den Meutereien starben 14 Gefangene, die meisten an Überdosen von Medikamenten, die sie in den Apotheken der Haftanstalten gestohlen hatten. 41 Vollzugsbeamte wurden zum Teil schwer verletzt. Viele Gefangenenrevolten wurden nach Überzeugung der Justizbehörden von Mafia-Bossen angezettelt – von jenen hinter Gittern, aber offenbar auch von Clan-Chefs außerhalb der Gefängnismauern. Auch in der Vollzugsanstalt Santa Maria Capua Vetere bei Neapel kam es damals zur Revolte. Die damalige Vergeltungsmaßnahme des Wachpersonals hat nun einen Gefängnisskandal hervorgerufen.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Durchgestochene Aufnahmen von Überwachungskameras in dem Gefängnis vom 6. April 2020, die am Mittwoch von der Tageszeitung Domani veröffentlicht wurden, dokumentieren ein brutales Vorgehen gegen Gefangene. Tags zuvor war es in dieser überfüllten Haftanstalt zu Protesten gekommen, nachdem ein Insasse positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Auf den gut sechs Minuten langen Aufnahmen verschiedener Überwachungskameras – aus Aufenthaltsräumen, Korridoren und Treppenhäusern – sind Dutzende Gefängniswärter zu sehen, wie sie wahllos Gefangene traktieren: mit Knüppeln, Fußtritten und bloßen Händen. Die malträtierten Gefangenen sind ersichtlich schutzlos, manche hinken, andere krümmen sich vor Schmerzen, alle halten schützend die Arme über ihren Kopf. Einige Beamte der „Polizia Penitenziaria“ tragen die Ausrüstung von Bereitschaftspolizisten mit Helm, Schutzschild und Stiefeln, andere lediglich eine Mund-Nase-Maske und Gummihandschuhe.

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