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Trauerfeier für John McCain : „Es gibt nicht mehr viele Helden in diesem Land“

  • -Aktualisiert am

Segnung gegen Ende des Gottesdienstes in der National Cathedral in Washington. Bild: AP

Ein Wochenende lang nahmen Familie und politische Weggefährten Abschied von John McCain. Für den denkwürdigsten Moment sorgten weder Barack Obama noch George W. Bush – sondern McCains Tochter.

          Monatelang hatte John McCain nach einer Krebsdiagnose sein Begräbnis bis ins kleinste Detail geplant, aber selbst diesen Moment hatte er nicht vorsehen können: An einem ansonsten schwül-heißen Morgen in Washington hatten sich innerhalb von Minuten die Wolken über dem Capitol zusammengezogen. Als die acht uniformierten Träger McCains Sarg geschultert hatten und in langsamen, koordinierten Schritten die Schufen hoch zum Eingang nahmen, verwandelte sich ein paar einzelne Tropfen aus dem Nichts in einen grimmigen Platzregen. Oben, am Ende der Stufen, wartete McCains Familie, während der Regen unaufhaltsam gegen den Sarg prasselte. Der Himmel hatte gesprochen, ohne etwas zu sagen.

          Am meisten gezeichnet in ihrer Trauer war dabei nicht etwa McCains 106 Jahre alte Mutter Roberta, sondern seine Tochter Meghan McCain. Immer wieder rang sie nach Worten in ihrer Grabrede in der National Cathedral am Samstagvormittag. Die Worte, die sie schließlich fand, waren jedoch die, die wohl am längsten in Erinnerung bleiben werden.

          „Mein Vater hatte genug Gründe zu glauben, dass die Welt ein verdammter Ort ist“, sagte sie über ihren Vater, der fünf Jahre als Kriegsgefangener in Vietnam verbrachte und in dieser Zeit mehrfach gefoltert wurde. „Aber so dachte er nicht. Er war ein großartiger Mann, ein großartiger Kämpfer, ein großartiger Amerikaner. Ich habe ihn dafür bewundert. Aber geliebt habe ich ihn, weil er ein großartiger Vater war.“

          Schluchzend unterbrach Meghan McCain ihre Rede mehrfach unter den Augen vieler prominenter Gäste. In der ersten Reihe, links von McCains Witwe Cindy Hensley McCain, saßen Michelle und Barack Obama, Laura und George W. Bush, Hillary und Bill Clinton, in den hinteren Reihen Freunde und Weggefährten wie Madeleine Albright, Joe Biden, John Kerry, Al Gore, Jay Leno, und Henry Kissinger, der später auch ein paar Worte sagte, sowie Ivanka Trump und Jared Kushner. Nicht vor Ort: der Präsident.

          „Wahre Größe, nicht billige Rhetorik“

          Und doch war Donald Trumps Anwesenheit in diesem Gedenkgottesdienst indirekt zu spüren, nicht zuletzt in Meghan McCains eindringlichen Worten: „Wir sind hier zusammenbekommen, um das Ende amerikanischer Größe zu betrauern. Wahre Größe, nicht billige Rhetorik von Männern, die niemals auch nur annähernd so eine Opferbereitschaft an den Tag legen, wie mein Vater sie bereit war zu zeigen“, sagte McCains Tochter in der National Cathedral von Washington. Ein Satz, den man nicht anders lesen konnte als direkten Verweis auf Trump, der sich damals vor dem Vietnamkrieg mit medizinischen Attesten drückte und heute davon redet, Amerika wieder groß rauszubringen.

          „John McCains Amerika ist großzügig“, fuhr Meghan McCain fort in ihrer kaum verschleierten Replik auf Trumps mit jeder neuen Enthüllung im Skandal um Russlands Wahlmanipulationen immer hohler klingenden „Make Amerika Great Again“-Wahlkampfslogan. „Sie ist großzügig, einladend, mutig. Sie redet leise, weil sie stark ist. Amerika prahlt nicht, weil sie es nicht nötig hat. John McCains Amerika muss nicht wieder großartig gemacht werden, weil Amerika schon immer großartig war.“

          Als der Applaus in der Kathedrale nach diesem Satz so langsam verhallt war, verschickte der zuständige Reporter aus dem Pressepool des Weißen Hauses ein Bild vom Präsidenten beim Golfspielen in seinem Hotel in Norden von Virginia. In den Morgenstunden vor der Gedenkfeier hatte Trump auf Twitter seinem Frust über das Justizministerium, das FBI und die Ermittlungen von Robert Mueller Luft gemacht. Selbst die Clintons und Canada traf es. Zum verstorbenen Politiker verlor er kein Wort.

          Selten gewordene Überparteilichkeit

          McCain hatte Donald Trump wiederum ausdrücklich nicht auf seiner Gedenkfeier sehen wollen. Es war mehr als bemerkenswert, wie sehr McCain sogar noch nach seinem Tode darum bemüht war, seinem politischen Widersacher aus der eigenen Partei einen letzten Hieb mitzugeben: Als einen seiner Sargträger wählte er beispielsweise Vladimir Kara-Murza aus, einen russischen Dissidenten und erklärten Putin-Gegner. Am Freitagmorgen, als sein Sarg im Capitol aufgebahrt wurde, hielt Vizepräsident Mike Pence anstatt des auch dort abwesenden Präsidenten die Rede.

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