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Gedenken an George H.W. Bush : „Er hat unser Land auf Kurs gehalten“

  • -Aktualisiert am

Bushs Leichnam wurde im Kapitol in Washington aufgebahrt Bild: Daniel C. Schmidt

Bevor George H.W. Bush seine letzte Reise antritt, wurde er im Kapitol aufgebahrt. Der Kongress erwies ihm im Beisein der Familie die letzte Ehre. Auch Präsident Trump zeigte sich am Sarg – aber erst nach dem offiziellen Termin.

          Mit 20, als er noch nicht alt genug war, um in Amerika ein Bier zu trinken, fiel George H.W. Bush einmal vom Himmel. Das war im September 1944, nachdem japanische Flak seinen Bomber getroffen hatte. Mit dem Fallschirm landete Bush im Pazifik, wo ihn ein amerikanisches U-Boot auflas. Am Montag, drei Tage nach dem Tod des 94 Jahre ehemaligen Präsidenten landete George H.W. Bush dann ein letztes Mal in Washington – ganz ohne Zwischenfall.

          Eine Ehrengarde hatte seinen Sarg, der mit einer amerikanischen Flagge bedeckt war, am Flugfeld in Houston an Bord der Air Force One gebracht. Da das Flugzeug des amerikanischen Präsidenten allerdings nur so genannt wird, wenn sich der amtierende Präsident an Bord befindet, bekam das Flugzeug für diesen Sonderflug von Bushs Wahlheimatstadt Houston nach Washington den Namen Special Air Mission 41, weil er der 41. Präsident der Vereinigten Staaten war.

          Am Tag seiner Gedenkfeier im Kapitol vor dem versammelten Abgeordnetenhaus und dem Senat sollte das nicht die einzige Bezugnahme auf Bushs Liebe zur Fliegerei und seine Zeit als Pilot in der Navy bleiben. Bevor sein Sarg in Washington landete, verriet sein langjähriger Pressesprecher Jim McGrath, dass Bush in besonderen Socken beerdigt werden wird: ein graues Paar mit einer Fliegerstaffel als Motiv.

          Um Bush zu verstehen, muss man einen Blick auf seine Jugend werfen. Der Sprössling einer wohlhabenden Familie wächst an der Ostküste auf, er geht auf die besten Schulen, hat Bedienstete im Elternhaus. Es fehlt ihm an nichts. Aber wie der ein oder andere Mann nach ihm aus seiner Familie (vornehmlich seine Söhne George W. und Jeb) scheint der junge George H.W. darauf aus zu sein, sich zu beweisen. Er ist 17 Jahre alt, als die Japaner am 7. Dezember 1941 Pearl Harbor überfallen. Ein halbes Jahr später, zu seinem 18. Geburtstag, lässt er sich von der U.S. Navy verpflichten und anschließend zum Piloten ausbilden.

          Als er zwei Jahre später über dem Pazifik aus dem brennenden Flugzeug springt, geht sein Fallschirm auf. Die Rettungsschirme seiner Besatzung nicht. Bush überlebt als einziger. Ein Zufall schenkt ihm das Leben. Danach redet Bush nicht gern über den Vorfall und das Glück, das ihn rettete, seine Kameraden aber nicht.

          Und so war es kein Zufall, dass in der Gedenkfeier im Kapitol immer wieder das Wort bescheiden fiel. „Während des Kalten Krieges und des Untergangs der Sowjetunion hielt er uns auf Kurs“, sagte Mitch McConnell, der ranghöchste Republikaner im Senat in seiner Rede, die er mit einem ordentlichen Schuss Nationalstolz würzte. „Wenn der Rechtsstaat am Persischen Golf verteidigt werden musste, hielt er uns auf Kurs. Mit seiner ausgeglichenen Art und hart erkämpften Lebenserfahrung hielt George Herbert Walker Bush dieses Land auf Kurs, und er steuerte es so gradlinig wie damals sein Flugzeug in der Navy. Er ließ das Land aufsteigen und forderte uns auf, noch höher zu fliegen. Und all das tat er mit ausgesprochener Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit.“

          In der sogenannten Rotunde, dem rundlichen Mittelbau des Kapitols, saßen die Ehrengäste um den Sarg, der in der Mitte des Raumes auf demselben Sockel aufgebahrt wurde, auf dem schon Abraham Lincoln im April 1865 nach seiner Ermordung im Sarg lag. In der ersten Reihe hatte die Familie Bush Platz genommen, darunter seine beiden Söhne, der ehemalige Präsident George W. Bush sowie Jeb Bush, der im Wahlkampf 2016 für ein paar Monate Donald Trump republikanischer Mitbewerber um die Präsidentschaftskandidatur war.

          Besonders höflich hatte sich der aktuelle Präsident damals nicht über Jeb Bush geäußert, sodass er in den vergangenen Tagen zwar in Statements und auf Twitter den Politiker George H.W. Bush überschwänglich lobte, der Gedenkfeier um 17 Uhr im Kapitol jedoch lieber fernblieb. Erst gegen 21 Uhr tauchte der Präsident mit First Lady Melania Trump am Sarg auf, hielt einen langen Augenblick inne und verschwand dann mit schnellen Schritten aus dem Raum. Die offiziellen Dankesworte der Regierung überließ er an diesem Nachmittag Vizepräsident Mike Pence.

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