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Gedenken an den Weltkrieg : Putins verkehrte Geschichte

Wladimir Putin am Mittwoch in Moskau Bild: dpa

Wie Russland des Zweiten Weltkriegs gedenkt ist allein Sache Moskaus. Doch wenn der Kreml aus dem Sieg über Hitler-Deutschland ein Mitspracherecht über das Schicksal anderer Völker ableitet, geht das alle Europäer an.

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          Die Erinnerung an den Sieg im Zweiten Weltkrieg eint die Russen über alle politischen und sozialen Gegensätze hinweg. Der Terror der deutschen Truppen gegen die Zivilbevölkerung und der Kampf gegen die Besatzer haben eine unermessliche Zahl von Opfern gefordert. Im europäischen Gedenken an die Schrecken des Nationalsozialismus haben sie einen festen Platz.

          Die Gefühle der Russen angesichts dieser Geschichte verdienen Respekt – so wie auch die der Polen, Ukrainer, Belarussen und anderen Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungskriegs im Osten Europas. In welcher Form der russische Staat und seine Bürger sich ihrer Kriegsopfer erinnern, ist ihre Sache und nicht die anderer, schon gar nicht die der Deutschen.

          Aber die russische Führung missbraucht die Geschichte auf zynische Weise zu machtpolitischen Zwecken. Welches Denken hinter der Demonstration militärischer Macht steht, die am Mittwoch in Moskau zu sehen war, hat Präsident Wladimir Putin gerade erst in einem Artikel dargelegt, in dem er eine ganze Reihe sowjetischer Propagandalügen wieder aufwärmt.

          Stalins Mittäterschaft beim Überfall auf Polen 1939 und die Besetzung der baltischen Staaten werden darin geleugnet, der sowjetische Überfall auf Finnland 1939 verschwiegen. Und aus dem Sieg über Hitler-Deutschland wird implizit ein Mitspracherecht Russlands über das Schicksal anderer Völker abgeleitet. Und das ist Sache aller in Europa.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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