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Gedenken an ersten Weltkrieg : Femen-Aktivistinnen protestieren gegen „Kriegsverbrecher“

  • Aktualisiert am

Femen-Aktivistinnen protestieren gegen eine falsche Erinnerungskultur mit „Fake Peacemakers“ in Paris Bild: AFP

Es soll eine Gedenkfeier an die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts sein. Zum einhundertjährigen Ende des Ersten Weltkriegs kommen etliche Staats- und Regierungschefs nach Paris – nach Meinung von Femen ist das eine falsche Erinnerungskultur.

          Drei Aktivistinnen der Organisation Femen haben in Paris gegen die Präsenz von „Kriegsverbrechern“ beim Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren protestiert. Mit nacktem Oberkörper, Blumenkränzen in den Haaren und gereckten Fäusten riefen sie am Triumphbogen: „Welcome war criminals!“ (“Willkommen Kriegsverbrecher“). Sie waren mit dem Slogan „Fake peacemakers, real dictators“ (“Falsche Friedensmacher, wahre Diktatoren“) bemalt.

          Die Frauen trafen am Morgen mit dem Auto an dem Denkmal ein, unter dem sich das Grab des unbekannten Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg mit der ewigen Flamme befindet. Das Trio kletterte über die Absperrgitter zur Tribüne für die Gedenkveranstaltung. Zu der Zeremonie am Sonntag werden rund 60 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter der amerikanische Präsident Donald Trump, der russische Staatschef Wladimir Putin, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU.

          „Sie sind gekommen, um Frieden zu feiern, aber sie predigen Krieg“, sagte die 24 Jahre alte Tara Lacroix. „Die meisten Staatschefs sind Diktatoren, die sich über Menschenrechte in ihren Ländern hinwegsetzen“, fügte sie hinzu, ohne Namen zu nennen. Die Polizei nahm Lacroix und ihre beiden Femen-Mitstreiterinnen fest – unter den erstaunten Blicken chinesischer Touristen, die sich vor dem Wahrzeichen der Metropole fotografierten.

          Der französische Präsident Emmanuel Macron hat zu dem Gedenken eingeladen, das in Frankreich traditionell am 11. November gefeiert wird. Es ist zentraler Bestandteil der Erinnerungskultur und auch nationaler Feiertag. Zum einhundertjährigen Jubiläum hat Macron nun etliche Staats- und Regierungschefs eingeladen und lässt parallel dazu das Paris Peace Forum stattfinden, um in der gegenwärtig chaotisch und mit vielen Konflikten behafteten Welt eine Möglichkeit des Dialogs zu eröffnen. Ein Berater Macrons glaubt außerdem, dass Macron mit dem „Gedenkgipfel“ zeigen wolle, dass Frankreich noch immer eine große Rolle bei weltweiten Friedensbemühungen spiele.

          Während die Bundeskanzlerin Angela Merkel die Eröffnungsrede beim „Friedensforum“ halten wird, könnte es am Rande des Gedenkwochenendes auch zu bilateralen Gesprächen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland oder der Türkei kommen. Macron hatte bei einem Treffen mit Trump versprochen, auch über die Kriege in Syrien und im Jemen zu sprechen.

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