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Gedenkreden Merkels & Macrons : „Wir zuerst“ darf es nicht geben

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Frankreichs Präsident Macron hat ein Zeichen gegen Nationalismus gesetzt. Er mahnte die Staaten zur Zusammenarbeit an. Bundeskanzlerin Merkel warnte vor Gefahren für den Frieden und „nationalem Scheuklappendenken“.

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          Einhundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hat Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron am Sonntag rund 60 Staats- und Regierungschefs in Paris zu einer Feier der Superlative empfangen. Höhepunkt ist eine gut einstündige Feier im Schatten des Triumphbogens. Bundeskanzlerin Angela Merkel lief neben dem französischen Präsidenten. Macron war dann neben seiner Frau Brigitte und Merkel platziert, daneben Amerikas Präsident Donald Trump. Unter den Gästen waren auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der kanadische Regierungschef Justin Trudeau. Als einer der letzten traf der russische Staatschef Wladimir Putin ein.

          Macron musste sich scharfer Kritik der rechten Parteien in Frankreich stellen, die eine Siegesfeier mit großer Militärparade verlangten. Frankreichs Präsident dagegen setzte vor allem auf eine kulturelle Veranstaltung, ihm ginge es nicht darum, den Sieg der Franzosen auszustellen, sondern um ein Zeichen für den Frieden. Geichfalls ließ er auch an die Kolonialtruppen, die an den Kämpfen beteiligt waren, erinnern. Nach Medienberichten wurden zwischen 1914 und 1918 in der französischen Armee etwa 200.000 Soldaten aus Afrika eingesetzt. Der „Tirailleur sénégalais“ (etwa: „senegalische Schütze“) ist in Frankreich bis heute ein Begriff. Es gebe eine „Schuld“ des Landes gegenüber diesen Truppen, heißt es im Amtssitz von Macron.

          Am Triumphbogen hielt der französische Präsident eine Rede, in der er sich deutlich gegen Nationalismus – und für die Achtung moralischer Werte aussprach. Es könne nicht sein, dass manche Nationen sagen: wir zuerst. Offenbar war das eine Anspielung auf die Rhetorik Donald Trumps, der für seinen Wahlkampfspruch „America first“ (Amerika zuerst) bekannt ist und sich als bekennender Nationalist gibt. Macron entgegnete dem: „Patriotismus ist genau das Gegenteil von Nationalismus.“ Stattdessen gelte es, für das Recht auf Freiheit und für den Frieden einzutreten. Dies sei die Tugend, die das trage, was wir heute ehren – die Demokratie.

          Macron warnte auch vor einem abermaligen Aufkommen schwieriger, konflikthafter Zeiten. Er wisse, dass „die Dämonen der Vergangenheit wieder ihr Haupt erheben.“ Gefühle würden manipuliert. Dem gelte es, so appellierte Macron an die gekommenen Regierungschefs, sich zusammen entgegenzustellen. Nur so könnten die gegenwärtigen weltlichen Probleme wie Klimawandel, Armut, Hunger, Ungleichheit und Unwissen gelöst werden. „Es lebe der Frieden zwischen den Völkern und den Staaten.“ Anschließend entzündete Macron zu den Klängen von Ravels „Bolero“ die Flamme am Grabmal des Unbekannten Soldaten symbolisch neu, um den rund zehn Millionen Kriegstoten zu gedenken. „In diesen vier Jahren hat sich Europa fast umgebracht“, resümierte er.

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