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Gedenken an ermordeten Lehrer : Störungen, Drohungen, Beschädigungen

Schweigeminute für den ermordeten Lehrer Samuel Paty am 2. November in einer Schule in Paris Bild: AFP

An vielen französischen Schulen sei das Gedenken an den ermordeten Lehrer Samuel Paty gestört worden, klagt Bildungsminister Blanquer. Auch die Anzeigen wegen einer Verherrlichung des Terrorismus häufen sich demnach.

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          Die Schweigeminute zu Ehren des von einem Islamisten enthaupteten Geschichtslehrers Samuel Paty ist an „etwa 400 Schulen gestört worden“. Das hat der französische Bildungsminister Jean-Michel Blanquer am Freitag im Radiosender RTL erklärt. Die Zwischenfälle reichten von leichten Störungen bis zu schwerwiegenden Drohungen oder Beschädigungen, die strafrechtlich verfolgt würden. „Kein Zwischenfall bleibt ohne Folgen“, sagte der Bildungsminister.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am meisten betroffen war die einheitliche Mittelstufe (Collège), die in Frankreich von der 6. bis einschließlich der 9. Klasse reicht. 50 Prozent der Zwischenfälle wurden in dieser Altersgruppe registriert. 27 Prozent der Störungen ereigneten sich in der Oberstufe, 21 Prozent an den Grundschulen. Blanquer betonte, dass dieses Verhalten zukünftig nicht geduldet werden könne.

          Seit der Ermordung des Lehrers häufen sich die Anzeigen wegen Verherrlichung von Terrorismus, in 187 Fällen wird ermittelt. Nur einige besonders schockierende Fälle schafften es in die Schlagzeilen. In Marseille wurde ein aus Afghanistan stammender, 14 Jahre alter Schüler in Polizeigewahrsam genommen, nachdem er vor der Schweigeminute bekundete, er hätte es genauso wie der Attentäter gemacht. Die Staatsanwaltschaft hat ein Schulverbot verfügt, weil sich Lehrer und Mitschüler bedroht fühlten, es läuft ein Jugendstrafverfahren gegen den Schüler.

          In Straßburg ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei zwölf Jahre alte Schüler, die im Unterricht bekundeten, Patys Enthauptung sei „verdient“ gewesen, denn er habe den Propheten beleidigt. In Lyon wurden zwei Jugendliche im Alter von 18 und 19 Jahren im Eilverfahren zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, davon eine auf Bewährung. Die beiden Jugendlichen mit Einwanderungshintergrund hatten in der Nacht zum 24. Oktober die Fassade einer Grundschule in Lyon mit Drohungen bemalt: „Macht so weiter, wir werden Lehrer und Schüler enthaupten“ und „Den Bürgermeister, das Satanskind, werden wir enthaupten“. Präsident Emmanuel Macron hatte nach dem Anschlag auf den Lehrer versprochen, die Angst im Land werde das Lager wechseln.

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